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In ETFs investieren: So schlägst du die Fondsmanager reihenweise

Wie kannst du erfolgreich in ETFs investieren?

Exchange-traded funds haben in letzter Zeit regen Zulauf erhalten. Einige von ihnen schlagen sogar regelmäßig den Großteil der Fondsmanager - und sie bieten noch mehr Vorteile.

Nicht zuletzt schreibt Warren Buffett, der wohl erfolgreichste Investor unserer Zeit:

"Ein kostengünstiger Indexfonds ist das sinnvollste Aktieninvestment für die große Mehrheit der Anleger. Mein Mentor, Ben Graham, vertrat diese Position vor vielen Jahren und alles, was ich seitdem gesehen habe, hat mich von dieser Wahrheit überzeugt."

- Warren Buffett

Den heiligen Gral bei der Geldanlage hat noch keiner gefunden. Es gibt ihn einfach nicht. Aber ETFs kommen dem schon gefährlich nahe.

Trotzdem investieren bisher die wenigsten deutschen Privatanleger in diese Art von Fonds. Zeit, daran etwas zu ändern.

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Dieser Beitrag ist eine Einführung in die Welt der ETFs. Ich zeige dir, was du durch passiv gemanagte Fonds erreichen kannst und welche Schwierigkeiten du damit geschickt umgehst.

Durch ETFs können vor allem unerfahrene Anleger auch mit einem kleinen Geldbeutel an der Börse Gewinne einstreichen.

Erfolgreich in ETFs anzulegen ist kein Selbstgänger. Trotzdem ist es viel einfacher als du denkst.

Ich zeige dir, was du wissen musst.

Was ist ein ETF überhaupt?

ETF ist die Abkürzung für Exchange-traded fund, auf deutsch also „börsengehandelter Fonds“. Es ist also eine Gattung der Fonds.

Gleichzeitig gehört das investierte Geld, wie bei Fonds üblich, zum Sondervermögen: Sollte die Fondsgesellschaft insolvent sein ist das investierte Geld geschützt.

Gängigerweise wird ETF synonym zu Indexfonds verwendet, weshalb ich das im Folgenden auch so handhaben werde.

Der große Unterschied von ETFs bzw. börsengehandelten Indexfonds zu klassischen Fonds ist die passive Verwaltung.

Bei einem „klassischen“ Investmentfonds managt ein Fondsmanager aktiv das Fondsvermögen. Er kauft also die Aktien, von denen er sich Gewinne verspricht und verkauft, wenn er denkt, eine Aktie habe schlechte Zeiten vor sich.

Ein ETF dagegen wird nicht aktiv, sondern passiv gemanagt. Es werden lediglich Indizes nachgebildet, die nach verschiedenen Kriterien aufgestellt werden können:

Ein solcher Index ist der DAX, der die 30 größten börsennotierten Aktienunternehmen abbildet. Dieser Aktienkorb repräsentiert also große deutsche Aktienunternehmen, von denen die durchschnittliche Wertentwicklung durch den DAX gemessen wird.

Wenn du also beispielsweise in einen DAX-Indexfonds investierst, wird dein Geld auf diese 30 Aktienunternehmen aufgeteilt. Du hältst nur den jeweiligen ETF in deinem Depot.

ETFs sind genauso über die Börse handelbar wie Aktien. Sprich: Du kaufst einen ETF an der Börse und verkaufst ihn wieder an der Börse. Ein Kauf über die emittierende Investmentgesellschaft, wie es bei klassischen Investmentfonds der Fall ist, findet meist nicht statt.

Das sind die Basics. Bevor wir uns gleich noch konkrete ETF-Kennzahlen anschauen, auf die du einen Blick werfen solltest, möchte ich dir zeigen, warum ETFs überhaupt so relevant für Privatanleger sind und es auch in Zukunft sein werden.

Welche Vorteile bieten ETFs?

Nun weißt du, was ein ETF überhaupt ist. Aber warum sind ETFs so interessant für Privatanleger, das sogar Investmentgrößen wie Warren Buffett und Wirtschaftsnobelpreisträger diese empfehlen?

#1 - Die Kosten sind gering

Aktiv gemanagte Fonds bringen oftmals hohe Gebühren mit sich. Fondsmanager gehören schließlich nicht gerade zu den Schlechtverdienern.

Die Kosten bei ETFs sind dagegen viel geringer. Die Gesamtkostenquote (TER) fasst viele Gebührenpunkte praktisch zusammen: Managementgebühren, Indexgebühren und weitere kleine Kostenpunkte fallen darunter.

Üblicherweise liegt die TER bei ETFs bei 0,1 - 0,5 Prozent pro Jahr.

Hinzu kommen noch die Transaktionskosten des Fonds; also die Kosten, die bei Käufen und Verkäufen innerhalb des Fonds entstehen.

Dazu kommt die obligatorische Gebühr, die bei Käufen und Verkäufen anfallen. Eine Orderprovision, Maklercourtage und andere Entgelte fallen darunter. Diese sind allerdings bei allen börsengehandelten Wertpapieren, also auch bei Aktien, zu zahlen.

Der für Investmentfonds übliche Ausgabeaufschlag muss nicht gezahlt werden. Wir kaufen, wie bereits erwähnt, in der Regel über die Börse. Der Ausgabeaufschlag würde nur fällig werden, wenn wir direkt von der Investmentgesellschaft kaufen würden.

Somit bleibt festzuhalten, dass ETFs deutlich geringere Kosten aufweisen als aktiv gemanagte Fonds. Das ist ein deutlicher Pluspunkt, da dies unsere Rendite logischerweise sonst um ein paar Prozentpunkte schmälern würde.

"Große institutionelle Investoren, betrachtet als Gruppe, haben lange schlechter abgeschnitten als der schlichte Indexfonds-Anleger, der einfach für Jahrzehnte still sitzt. Ein großer Grund dafür sind Kosten: Viele Anleger zahlen große Summen an Berater, die wiederum Manager mit hohen Gebühren empfehlen. Und das ist ein Spiel für Verlierer."

- Warren Buffett (2014)

#2 - Schnelle und günstige Diversifikation

Die Diversifikation findet in jedem guten Depot statt. Sie ist ein Konzept aus der Portfoliotheorie bzw. des "Capital Asset Pricing Models" (CAPM).

Dabei wird das Risiko, das du bei einer Investition in Aktien eingehst, in zwei Risiken aufgeteilt.

Das systematische Risiko betrifft den kompletten Aktienmarkt und wird durch makroökonomische Veränderungen wie das Zinsniveau, Arbeitslosigkeit oder Rezessionen beeinflusst.

Das unsystematische Risiko betrifft das einzelne Wertpapier, in das du investierst, also beispielsweise alle RIsiken, die das jeweilige Unternehmen betreffen, von welchem du die Aktie hältst.

Gegen das systematische Risiko können wir als Aktionäre nichts unternehmen. Das unsystematische Risiko lässt sich aber durch eine Streuung unserer Investition auf möglichst viele Aktien senken, bei einer Investition in den kompletten Aktienmärkt gänzlich eliminieren.

Das folgende Diagramm verdeutlicht dieses Konzept:

Quelle: DrWealth.com

Je mehr Aktien ein Portfolio beinhaltet (horizontale Achse), desto niedriger ist das Risiko des Portfolios (vertikale Achse). Dabei lässt sich ausschließlich das unsystematische Risiko reduzieren.

In der Praxis bedeutet das zum Beispiel:

Wenn du nur in eine Aktie investierst, du im Durchschnitt eine Rendite von 10% erwartest, kann alles passieren: Du kannst über die nächsten 3 Jahre eine Rendite von -100% (Komplettverlust) oder +500% erreichen.

Je mehr du streust, desto mehr näherst du deine Rendite an die Rendite des Marktes an. Dann kann deine durchschnittliche Renditeerwartung ebenfalls bei 10% liegen, mit hoher Wahrscheinlichkeit wird deine Rendite über die nächsten 3 Jahre dann aber weniger schwanken und zwischen -50% oder +100% liegen.

Die Zahlen sind hierbei nur beispielhaft gewählt. Sie sollen verdeutlichen, dass die Schwankungsbreite der Portfoliorenditen durch weitere Aktien gesenkt werden kann.

Wir wollen also nicht nur eine Aktie halten, sondern mehrere. Wir verteilen das Risiko, um vor einem Totalausfall unseres Kapitals weitestgehend geschützt zu sein und Schwankungen zu reduzieren.

Bei börsengehandelten Indexfonds (ETFs), die direkt ganze Indizes abbilden, befinden sich direkt mehrere Aktienwerte in dem Fonds. Dies variiert natürlich je nach ETF und dem abgebildeten Index. So umfasst der DAX 30 Werte, während der S&P 500 aus den USA 500 Werte umfasst.

Eine solche Diversifikation, vor allem wenn es hunderte Werte sind, ist durch eigenständige Investition in einzelne Aktien kaum möglich. Die Kosten würden dann jegliche Rendite übersteigen.

ETFs stellen daher ein hervorragendes Mittel dar, um dein Depot zu diversifizieren und dadurch das Risiko zu senken. Hier erfährst du mehr darüber.

#3 - Auch für kleines Geld

Viele Menschen wollen vielleicht an die Börse, haben bisher aber nur ein geringes Kapital angespart. Mir ging es jedenfalls so, als ich meinen ersten Schritt an die Börse gemacht habe.

Da wir in jedem Fall diversifizieren wollen, müssen wir mehrere Aktien kaufen. Wer allerdings nur ein geringes Kapital aufweisen kann, würde somit viel zu hohe Gebühren für jeden Aktienkauf zahlen müssen.

Beispiel: Du kaufst 5 verschiedene Aktien für je 40€ und zahlst eine Kaufgebühr von 10€. Du hast also 50€ bezahlt, für eine Aktie, die 40€ wert ist. Also machst du erst Gewinn, wenn deine Aktien um 10€ im Wert steigen. Das entspricht ganzen 25%!

Wenn wir in ETFs investieren kann selbst ein vergleichsweise geringer Betrag in einem diversifizierten Depot kostengünstig und vergleichsweise risikoarm angelegt werden. Denn du musst dein Geld nicht aufteilen, sondern kaufst bei einem ETF nur ein einziges Wertpapier.

Darüber hinaus gibt es noch ein Mittel, das gerade bei wenig Kapital (aber auch bei viel Kapital) großartig ist um deine Geldanlage kostengünstig zu automatisieren: Den ETF-Sparplan.

Dabei legst du einen monatlichen Betrag fest, den du in ausgewählte ETFs investieren möchtest - und das war's. Dabei gehen die Mindestbeträge bei 25€ los (zumindest hier), bei anderen Depots ab 50€ im Monat.

Die Gebühren werden meist prozentual erhoben. Dadurch kannst du auch mit kleinen Beträgen kostengünstig anlegen und hast gleichzeitig einen Plan, der dich zum Sparen diszipliniert.

#4 - Verfolge automatisiert deine Strategien

Es gibt viele Strategien, die in der Vergangenheit zumindest temporär besser als der Markt bzw. ihre jeweiligen Indizes abgeschnitten haben.

Darunter sind zum Beispiel die Investitionen in dividendenstarke Unternehmen, kleine Wachstumsunternehmen, Unternehmen aus Schwellenländern („emerging markets“) und viele mehr. Keine Sorge, dazu wirst du in naher Zukunft noch mehr auf meinem Blog finden.

Viele solcher Strategien können wir ganz einfach durch einen ETF nachbilden. Besser gesagt, sie werden für uns nachgebildet.

Es gibt ETFs, die sich darauf konzentrieren, einen Index nachzubilden, welcher nur die dividendenstärksten Unternehmen beinhaltet.

Würdest du selber versuchen, so eine Strategie nachzubilden, kann es schnell an den Kosten scheitern. Du möchtest schließlich immer noch ausreichend diversifizieren.

Wenn sich allerdings die Dividendenrenditen ändern, musst du dein Depot umschichten. Die Aktien mit den höchsten Dividendenrenditen kaufen, die Aktien mit niedrigeren Unternehmen wieder verkaufen. Und das immer wieder. Und jedes Mal werden Gebühren fällig.

In ETFs investieren löst diesen Zielkonflikt. Ein ETF dient kann also ebenfalls dazu dienen bestimmte Strategien zu verfolgen. Neben den finanziellen Kosten ist auch der zeitliche Aufwand dadurch für uns sehr gering.

Diese Automatisierung wird durch den in Vorteil #4 erwähnten ETF-Sparplan komplettiert.

Leider verbreiten viele Experten dieses Wissen nicht oder nur in einem falschen Kontext. Hier zeige ich dir die Wahrheit über Smart Beta ETFs (für Fortgeschrittene).

#5 - Einfachheit und Transparenz

ETFs sind ein denkbar simples Produkt: Du investierst in alle Wertpapiere, die in einem Index zusammengefasst werden. In der konkreten Art und Weise wie dies geschieht gibt es noch ein paar Feinheiten, diese sind allerdings keine Raketenwissenschaft.

Sie machen das, was sie sollen: Sie lassen dich mit nur einem Wertpapier breit gestreut an einem Aktienmarkt und dessen Entwicklung teilhaben.

Keine langwierigen Aktienanalysen, keine Börsennews, keine Bilanzen und Geschäftsberichte, keine Analystenmeinungen.

Nicht nur das: Bei Gewinnausschüttungen von Aktien aus dem Ausland gibt es einige Herkunftsländer, die diese Dividenden mit einem höheren Steuersatz versteuern als in Deutschland.

Mit einigen Ländern bestehen Doppelbesteuerungsabkommen, die dies vereinfachen. Aber es gibt weiterhin steuerschwierige Länder, bei denen Anleger selbst Formulare ausfüllen und sich die zu viel gezahlten Steuern zurückholen müssen.

Bei kleinen Beträgen rechtfertigt der Ertrag den Aufwand oftmals nicht.

Auch hier hilft ein ETF: Die Fondsgesellschaft kümmert sich um die Zurückerstattung der Steuern und schreibt diese sofort dem Fondsvermögen gut. Kein Ausfüllen von Steuerformularen oder Ähnlichem.

Diese Einfachheit wird mit einer hohen Transparenz kombiniert: Du findest in den Fondsinformationen regelmäßige Vergleiche zum Index, transparente Kostenaufstellungen, eine Liste der enthaltenen Wertpapiere und hast generell eine flexible Handelbarkeit.

#6 - Du bist besser als die Fondsmanager

Der wohl größte Pluspunkt kommt jetzt. Gleichzeitig überrascht er die meisten Börsenneulinge. Mich hat er auch überrascht.

Wie ich dir bereits erklärt habe, sind wir in der Lage, durch ETFs Indizes von bestimmten Märkten nachzubilden. Diese Märkte haben im langfristigen Durchschnitt eine positive Rendite. Je nach analysiertem Markt und Zeitraum variieren diese.

Der Dow Jones Industrial Average hat im letzten Jahrhundert, wenn man die Dividenden mit einrechnet, eine durchschnittliche Rendite von 10,18% geliefert (Quelle: "Gier" von Jason Zweig). In der Realität müssen jedoch noch Steuern und Gebühren abgezogen werden.

10,18% - verlockende Verzinsung, oder?

Und das sind wohlgemerkt einfach nur die Aktien, die im Dow Jones waren - keine besondere Strategie.

Diese Rendite entsteht aus dem stetigen Wirtschaftswachtum, der Inflation und den Gewinnen, die der Großteil der Aktienunternehmen an uns Anleger ausschütten.

Nun würde man erwarten, dass die hochbezahlten Fondsmanager mehr bieten können. Aber wie sieht es in der Realität aus?

Bei einem Vergleich der durchschnittlichen jährlichen Rendite von US-Investmentfonds und dem Marktindex von 1962 – 2004 schneiden die Fonds in zwei Drittel der Jahre schlechter ab als der Marktindex!

Carhart (1997) untersuchte 1.892 US-Aktienfonds über den Zeitraum von 1961 bis 1995. Das Ergebnis: 94% aller aktiv gemanangte Fonds blieben hinter ihrer Benchmark zurück.

Fama und French (2010) nahmen sich den Zeitraum von 1984 bis 2006 vor. Hier waren es 97% der aktiv gemanagten Fonds, die ihre Benchmark nicht schlagen konnten.

Alle mir bekannten Langzeitstudien kommen zum Ergebnis:

Die Fondsmanager schaffen es zu einem Großteil nicht den Markt zu schlagen.

Und selbst wenn sie es schaffen: Wie sollst du den einen aus wenigen guten Investmentfonds finden? Oft wechseln sich die Fonds mit der besten Rendite regelmäßig ab, sodass es sehr schwer ist, einen richtig guten Fonds zu entdecken.

Aus allen wissenschaftlichen Forschungen und historischen Daten geht hervor:

Das passive Investieren schlägt die Fondsmanager und Privatanleger reihenweise und ist damit eine Strategie, die sehr erfolgsversprechend für die Zukunft ist.

Hier zeige ich dir ausführlich die Wahrheit hinter dem (Miss-)Erfolg von Fondsmanagern, welche Tricks sie anwenden, woran sie scheitern und warum eine hohe Rendite in der Vergangenheit kein Qualitätsmerkmal darstellt.

Das bedeutet nicht zwangsweise, dass ETFs für jeden Privatanleger die perfekte Wahl sind. Wenn du es schaffst, ein breit gestreutes Depot mit Einzelaktien aufzubauen, die Kosten dabei so gering wie möglich zu halten und dabei diszipliniert (bei höherem Zeitaufwand) eine erfolgversprechende Strategie umzusetzen, kann auch das klappen. Dies trifft aber leider auf die wenigsten Anleger zu.

"Die Langzeitdaten dokumentieren wiederholend, dass Investoren davon profitieren würden, wenn sie von einer aktiven Anlagestrategie zu einem kostengünstigen Indexfonds wechseln würden."

- Charles Ellis, Vorsitzender der Yale-Stiftung und Vermögensverwalter

Warum schaffen es selbst Experten nicht den Markt zu schlagen? 

Fondsmanager durchlaufen beste Ausbildungen, haben Zugang zum Management und allen Informationen, sind oft hochintelligent und investieren viel Zeit. Warum schneidet ein Großteil dieser Menschen schlechter ab als ein Indexfonds, der nur den Marktdurchschnitt abbildet?

Die Gründe liegen zum einen in einer hohen Effizienz der Märkte:

Informationen, Chancen und Risiken werden sofort von Millionen von Anlegern durch ihre Käufe und Verkäufe in den Aktienkurs eingepreist. Dadurch sind die Aktienkurse weitestgehend fair bewertet - zumindest so fair, dass es nach Abzug der Kosten offenbar selbst für Experten sehr schwer ist, den Markt dauerhaft zu schlagen.

In diesem Artikel sprechen wir über die Buy-and-Hold-Anlagestrategie und vertiefen die Gründe für das Scheitern aktiver Anleger genauer.

Werfen nun aber nochmal einen kurzen Blick auf mögliche Nachteile und Kritikpunkte, die ETFs mit sich bringen.

Diese 4 Mythen ranken sich um ETFs

Es gibt immer wieder Mythen über ETFs, die verbreitet werden. Kein Wunder: ETFs jagen teureren Investmentfonds immer mehr Marktanteile ab, wodurch Fondsmanager und Banken weniger Geld verdienen - zugunsten der Privatanleger.

Natürlich sind diese daran interessiert ETFs als schlecht darzustellen um selbst im Rennen zu bleiben. Deshalb möchte ich dir die 3 größten Mythen zeigen, die verbreitet werden und was wirklich dahinter steckt.

Eine ausführliche Diskussion inklusive einiger Mythen findest du hier: Die 13 Kritikpunkte an ETFs, die du kennen musst (und warum du sie trotzdem nutzen solltest)

Mythos #1: Kursbewegungen werden verstärkt

In dem Artikel „Warum Indexfonds gefährlich sein können“ kritisiert Christoph Rottwilm, dass ETFs die Kursbewegungen von Aktien unnatürlich verstärken.

Sobald eine Hausse an der Börse einsetzt, die Kurse also steigen, muss der ETF dies berücksichtigen. Der ETF muss zusätzliche Aktien von kaufen. Dadurch verstärkt sich der positive Börsentrend. Genauso werden negative Kursentwicklungen verstärkt, wenn die Kurse ohnehin schon fallen.

Was logisch klingt, ist allerdings in der Praxis oft kein Problem, da die ETF-Gewichtung durch den Kursanstieg- oder fall einer Aktie automatisch im Gleichgewicht bleibt.

Als Beispiel:

Nehmen wir an, ein ETF hält 10 Aktien entsprechend ihrer Marktkapitalisierung zu je 10%. Nun steigt eine Aktie um 20% im Wert. Muss der ETF diese Aktie nun nachkaufen und damit den Kurs in die Höhe treiben?

Nein. Dadurch, dass die 10% enthaltenen Aktien im ETF im Kurs steigen, ist dieser Wertanstieg bereits im ETF enthalten. Die Anzahl an Aktien bleibt gleich.

(In diesem Artikel erkläre ich es inklusive aller Kritikpunkte an ETFs nochmal detaillierter.)

Die Kritiker beziehen sich also vor allem auf die dadurch entstehende Instabilität auf den Finanzmärkten, da viele große Vermögensverwalter ETFs halten.

Selbst wenn es so sein sollte, was viele Befürworter passiven Investierens wie Gerd Kommer nicht glauben, spielt dies für uns Privatanleger kaum eine Rolle, da dies jeden Anleger - ob er in ETFs, aktiv gemanagte Fonds oder einzelne Aktien investiert - gleichermaßen betreffen würde.

Mythos #2: Der Kostenvorteil von ETFs ist nur gering

ETFs sind im Durchschnitt etwa 1,5 - 3% günstiger als aktiv gemanagte Investmentfonds. In dem Zuge kommt oft der Einwurf von aktiven Fondsmanagern:

"Ach, was sind schon diese paar Prozentpunkte."

Oft wird diese Gebühr dann durch eine Zusatzrendite durch den Fondsmanager gerechtfertigt. Dass es aber nur in den seltensten Fällen zu einer Zusatzrendite kommt habe ich dir bereits gezeigt.

Tatsächlich macht selbst ein scheinbar geringer Kostenvorteil langfristig einen enormen Unterschied aus. Dahinter steckt ein exponentielles Wachstum, welches wir kaum abschätzen können. Deshalb ein konkretes Rechenbeispiel:

Bei einem Startkapital von 10.000€ und einem Anlagehorizont von 35 Jahren erreichst du...

...mit 7% Rendite ein Endvermögen von 106.765€.

...mit 9% Rendite ein Endvermögen von 204.139€.

Allein aus dem Kostenunterschied von 2% pro Jahr resultiert in diesem Szenario ein Vermögensunterschied von fast 100.000€.

In meinen Augen ist das kein geringer, sondern ein enormer Kostenvorteil.

Mythos #3: Du erreichst nur die Durchschnittsrendite

Ein großer Irrtum besagt:

"Mit ETFs erreicht man ja nur den Durchschnitt."

Das ist einerseits richtig, andererseits falsch.

Der Unterschied liegt in der Unterscheidung zwischen der Bruttorendite und der Nettorendite.

Wenn deine Aktien im Depot um 10% steigen hast du eine Bruttorendite von 10% erreicht. Wenn du allerdings 2% an Kosten hast durch das Hin-und-her-Handeln landest du bei einer Nettorendite von 8%.

Die Nettorendite ist entscheidend. Und diese ist bei Buy-and-hold ETF-Anlegern fast zwangsläufig überdurchschnittlich.

Der Grund: Die Kosten aktiven Handelns.

Die folgende Grafik vergleicht einen Markt, der beispielhaft aus 2 Anlegern besteht mit einem passiven Anleger.

Und das ist kein konstruiertes Beispiel: Es ist in der Praxis weit belegt.

Anleger, die passiv nach dem Buy-and-hold-Prinzip anlegen, liegen über der Durchschnittsrendite aller Anleger - ohne einen Finger zu krümmen.

Barber und Odean haben in ihrer Studie "Trading is hazardous to your wealth" die Renditen der Anleger nach ihrer Handelsaktivität untersucht.

Nicht nur, dass passivere Anleger die aktiveren Anleger deutlich hinter sich gelassen haben:

Ein Indexfonds lag über dem Großteil aller Anleger und deutlich über dem Durchschnitt. Die beiden Balkengruppen rechts in der folgenden Grafik verdeutlichen es:

Screenshot Trading is hazardous to your wealth

!"Die Nettorendite des Indexfonds lag deutlich über der Durchschnittsrendite der Anleger (Quelle: Barber & Odean)

Mythos #4: ETFs versagen im Crash

Die Faktenlage, nach der ETFs die Fondsmanager reihenweise hinter sich lassen, ist ziemlich eindeutig. Deshalb reagieren Banken und Fondsmanager. Sie behaupten:

"ETFs versagen im Crash! Damit läuft man ins offene Messer! Ein Fondsmanager kann reagieren und vor Verlusten schützen!"

Bei dieser Argumentation tauchen mehrere Probleme auf.

1. Problem: Die Statistiken sind über Zeiträume erhoben worden, die Crashs (wie 1987, 2002 und 2008) beinhalten. Wenn Fondsmanager dort besser abschneiden würden kann der Effekt also nicht lange angehalten haben.

2. Problem: Schauen wir uns einmal die Fakten an. Wie viele Fondsmanager haben es laut Cullen Roche geschafft in den Crash-Jahren 2001, 2002 und 2008 den Markt zu schlagen?

2001: 35%
2002: 32%
2008: 44%

Selbst in den Crash-Jahren waren also Anleger, die sich am Index orientiert haben, den meisten Fondsmanagern voraus.

3. Problem: Selbst wenn Fondsmanager kurzfristig besser abschneiden sollten (worauf die eben gezeigten Fakten nicht hindeuten) ist die langfristige Entwicklung entscheidend.

Wir können davon ausgehen, dass - vor Kosten - alle aktiven und passiven Fonds die durchschnittliche Marktrendite erreichen werden. Dadurch werden zwangsläufig die Fonds überdurchschnittlich abschneiden, die günstigere Gebühren haben.

Diesen Zusammenhang habe ich bereits im vorherigen Mythos erläutert und auch Nobelpreisträger William Sharpe betont ihn in seiner "Artihmetik des aktiven Managements".

"Because active and passive returns are equal before
cost, and because active managers bear greater costs,
it follows that the after-cost return from active management
must be lower than that from passive management."

- William F. Sharpe, Wirtschaftsnobelpreisträger

In ETFs investieren - eine geeignete Option für dich? 4 Entscheidungskriterien

Für wen eignen sich ETFs also?

Dein primäres Ziel ist vermutlich das Erreichen der bestmöglichen Rendite.

Vielleicht ist dir schon ein Licht aufgegangen und du hast erkannt, dass du...

  • ...erstens weder den Markt schlagen musst um erfolgreich anzulegen
  • ...und zweitens du vielleicht doch nicht der Super-Investor bist, für den du dich bisher gehalten hast und erkannt hast, wie schwierig es ist, den Markt zu schlagen und du deshalb auf ETFs setzt

Solltest du dennoch die Chance wittern mit einer Einzelaktienauswahl den Markt hinter dir zu lassen, solltest du weitere Kriterien bei der Wahl deines Anlageinstruments heranziehen.

Denn auf das Ziel einer hohen Rendite können wir uns schnell einigen. Die Frage, bei dir wir uns aber alle unterscheiden, ist folgende:

Wie wollen wir das erreichen?

Ich zeige dir auf den Punkt gebracht die wichtigsten Faktoren, die entscheidend dafür sind, ob du bei deiner Geldanlage primär auf ETFs, auf einzelne Aktien oder auf eine Kombination aus beiden setzen solltest.

Faktor 1: Zeitaufwand

​Wie viel Zeit möchtest du in deine Finanzen investieren?

Wenn du möglichst wenig Zeit dafür aufbringen, trotzdem aber von der Börse profitieren möchtest, sind ETFs eine hervorragende Wahl für dich. Mit ihnen kannst du deinen Zeitaufwand beim Investieren auf wenige Stunden im Jahr (oder noch weniger) reduzieren.

Dadurch hast du mehr Zeit für andere Dinge. Seien es Dinge, die deine finanzielle Zukunft verbessern wie Weiterbildungen, unternehmerische Aktivitäten oder ein erhöhtes Arbeitspensum oder andere Dinge, die dir Spaß machen.

Das Gute: Faul sein wird an der Börse sogar belohnt. Schöner geht's doch gar nicht, oder?

Wenn du kein Problem damit hast mehr Zeit (und Nerven) in deine Geldanlage zu stecken sind auch Einzelaktien weiter im Rennen.

Merke: Je weniger Zeit du investieren möchtest, desto interessanter sind ETFs für dich.

Faktor 2: Sicherheit

Wie viel Risiko bist du bereit einzugehen?

Je breiter und besser du streust, desto geringer sind die Schwankungen und Ausfallwahrscheinlichkeiten deines Depots.

Wenn du allerdings versuchen möchtest noch besser abzuschneiden, dafür aber ein höheres Risiko in Kauf nehmen willst, sind einzelne Aktien für dich interessanter - vorausgesetzt, du schaffst es einer der wenigen zu sein, die damit den Markt dauerhaft hinter sich lassen.

Merke: Je weniger Risiko du eingehen möchtest, desto interessanter sind ETFs für dich.

Faktor 3: Startkapital

Wie viel Geld hast du zum Investieren übrig?

Wenn du nur wenig Geld hast, solltest du in ETFs investieren. Denn eine breite Streuung ist essentiell, um dein Risiko zu senken. Hast du allerdings wenig Startkapital wird ein Aufteilen dieses Geldes auf viele Aktien schnell deine Transaktionskosten in die Höhe treiben.

Je nach Gebühren deines Brokers (hier ist mein Tipp) kann das nötige Kapital dabei variieren. Als grobe Faustformel würde ich dir empfehlen keinesfalls weniger als 500€, lieber nicht weniger als 1.000€ je Wertpapierkauf zu investieren.

Wenn wir annehmen, dass du mindestens 15 verschiedene Aktien hältst um halbwegs diversifiziert zu sein, benötigst du demnach 15.000€ als Startkapital.

Verschiedene Studien zur Diversifikation weisen daraufhin, dass man eher eine Mindestaktienanzahl von 30 anpeilen sollte. Einige Studien gehen darüber hinaus, das werden wir hier aber nicht vertiefen.

Bei 30 Aktien bräuchtest du demnach 30.000€. Wenn du die Transaktionskosten weiter reduzieren möchtest um deine Rendite zu erhöhen, könntest du die Mindestgröße je Aktie auf 2.000€ anheben, womit du 60.000€ benötigst um ein gut diversifiziertes Aktienportfolio aufzubauen.

Merke: Je weniger Startkapital du hast, desto interessanter sind ETFs für dich.

Faustformel: Je nach Diversifikationsgrad und Kostenminimierungsdrang brauchst du für ein Portfolio aus einzelnen Aktien mindestens 15.000€ bis 60.000€.

Faktor 4: Marktzugang (wann du selbst als Einzelaktien-Liebhaber ETFs brauchst)

Nehmen wir an, du gehst die eben genannten Kriterien für dich durch und kommst zu dem Schluss, dass du in einzelne Aktien investieren möchtest. Oder dich hält einer der Kritikpunkte an ETFs (von denen die meisten in meinen Augen nicht zutreffen oder geringer als die Vorteile sind) davon ab in diese zu investieren.

Selbst dann könnten ETFs für deine Geldanlage eine ergänzende Rolle spielen.

So kannst du ETFs nutzen um eine grundlegende Diversifikation zu schaffen:

Du kannst beispielsweise mit 50% deines Kapitals in ETFs investieren und mit weiteren 50% einzelne Aktien hinzukaufen, wenn du dir davon Mehrerträge versprichst.

Aber in einem ganz speziellen Fall sind ETFs fast unumgänglich.

Die Schwellenländer machen heute einen immer größeren und größer werdenden Anteil an der Weltwirtschaft aus. Wenn wir von einer guten Diversifikation sprechen gehört dazu also auch ein Abbilden von Aktien aus Schwellenländern.

Dazu gehören aber Länder, in denen Aktionäre nur schweren Zugang haben (bspw. China). In anderen Ländern ist die Aktienauswahl verdammt schwierig, da die Politik dort die Finger im Spiel hat (bspw. Russland) und über Sieg und Niederlage entscheidet, nicht zwangsweise das bessere wirtschaftliche Handeln.

Wenn du in einzelne Aktien investierst wirst du es enorm schwer haben die Wirtschaftsleistung der Schwellenländer in deinem Depot abzubilden: Du hast weniger Informationen, höhere politischere Unsicherheiten, illiquidere Märkte und schlechteren Zugang.

Hier kann ein (Schwellenländer-)ETF einfach Abhilfe schaffen: Du kaufst diesen, legst ihn in dein Depot und hast eine bessere Diversifikation und weniger Sorgen.

Auf ähnliche Schwierigkeiten kannst du beim Abbilden von kleinen Aktien ("small caps" und "micro caps") stoßen, welche du mit ETFs elegant lösen kannst.

Merke: Je schlechter der Marktzugang, desto interessanter sind ETFs für dich.

Diese vier Faktoren (Zeitaufwand, Risiko, Startkapital und Marktzugang), sind die wesentlichen Faktoren, die deine Entscheidung beeinflussen sollten. 

Dabei musst du nicht schwarz weiß denken: Sowohl ETFs als auch einzelne Aktien als auch eine Kombination aus beiden können dir gute Ergebnisse liefern.

Wenn du ohnehin erkannt hast, dass du vermutlich keine Überrendite an den Märkten erzielen wirst, sollte deine Wahl ohnehin auf Indexfonds fallen.

Gerade vor dem Hintergrund des schwierigen Marktzugangs in einigen Fällen sind ETFs für ein breit gestreutes Aktiendepot sogar fast unerlässlich.

Für die meisten Privatanleger werden ETFs aus diesem Grund, wegen der sehr guten Renditeerwartung und des minimalen Zeitaufwands weiterhin das beste Mittel zur Geldanlage sein.

5 Schritte Plan: So findest du die richtigen ETFs für dein Depot

Wenn du zu dem Entschluss kommst, dass ETFs für dich geeignet sind, ist die logische nächste Frage: Wie kann ich in ETFs investieren - und vor allem die besten ETFs finden?

Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass ETFs alleine nicht die Lösung für deine Geldanlage sein können. Anschließend gebe ich dir die 4 wichtigsten Kriterien an die Hand, die du dir anschauen solltest.

Warum ETFs alleine nicht die Lösung sind

Nehmen wir an, du fährst mit einer modernen Mercedes S-Klasse mit allen möglichen Assistenzsystem auf der Autobahn. Ein hervorragendes und sicheres Auto.

Nun bretterst du kontinuierlich mit 250 km/h über die linke Spur, bittest alle Autos vor dir mit der Lichthupe Platz zu machen und ignorierst die Wetterbedingungen.

Früher oder später wirst du einen Unfall bauen.

War nun das Auto schuld?

Nein, natürlich nicht. Du als Fahrer trägst die Schuld, da du das Auto falsch genutzt hast.

Genau das gleich gilt beim Investieren in ETFs: Wenn du ein gutes Anlageinstrument nutzt, es aber falsch einsetzt, wirst du damit scheitern.

Du als Anleger bist dafür verantwortlich deine Strategie konsequenz und diszipliniert durchzusetzen. Du musst gerade in turbulenten Börsenphasen (von denen es viele gibt) Nervenstärke beweisen und nicht panisch verkaufen.

Bei allen Vorteilen von ETFs: Das kann dir kein ETF der Welt abnehmen.

Aber nicht nur das: Unabhängig davon, ob du in einzelne Aktien oder ETFs anlegst, musst du dir vorher Gedanken über deine Asset Allocation, also deine Vermögensaufteilung, machen.

Wie viel Geld möchtest du in Aktien stecken? Wie viel Geld in andere Anlageklassen wie Anleihen, Rohstoffe etc.? Wie gewichtest du unterschiedliche Regionen bei deiner Geldanlage?

All diese (und mehr Fragen) musst du beantworten bevor du überhaupt daran denkst einen ETF mit dem anderen zu vergleichen. Mehr dazu erfährst du gratis in der ETF-Formel.

Die 5 wichtigsten Kriterien bei der ETF-Wahl

Es gibt viele Kriterien, die du bei der ETF-Wahl hinzuziehen kannst. Dabei bin ich Befürworter von zwei Grundprinzipien:

1. Prinzip: Das KISS-Prinzip. Keep it simple, stupid. Oder auf deutsch: Halte es so simpel wie möglich.

Ich mag es nicht, wenn man sich in Details vertieft, die letztendlich kaum einen Unterschied machen. Nichtsdestotrotz gilt Prinzip 2:

2. Prinzip: Wenn ich einen ETF kaufe, den ich wahrscheinlich 10 Jahre, 20 Jahre, 30 Jahre oder länger im Depot halte, möchte ich den besten ETF finden. Gerade vor dem Hintergrund des Effekts, den minimal höhere Kosten haben können (siehe Mythos #2).

Wenn du Prinzip 1 folgst reichen dir die Kriterien, die ich dir gleich zeige, vermutlich. Wenn du dem 2. Prinzip folgen möchtest erfährst du alles, was du wissen musst, hier.

Kriterium 1: Der Index

Bevor du dir den ETF selbst anschaust, musst du dir den zugrundeliegenden Index anschauen. Denn schließlich bildet ein Indexfonds nur einen Index nach und kann folglich nur so gut sein wie der Index, der diesem zugrundeliegt.

Die Fragen, die du dir dabei stellen solltest, sind:

  • Wie ist der Index zusammengestellt?
  • Wie viele Aktien enthält der Index?
  • Wie sind die unterschiedlichen Länder gewichtet?
  • Wie werden Aktien im Index gewichtet?
  • Wie gut war der Index in der Vergangenheit (gemessen an Rendite und risikoadjustierten Kennzahlen)?

Kriterium 2: Die Replikationsmethode

Es gibt unterschiedliche Wege, wie ein ETF einen Index abbildet. Diese werden in erster Linie danach gewählt, welcher Weg die beste Kombination aus kostengünstiger und genauer Abbildung des Index ermöglicht.

1. Vollständig physisch replizierend: Der ETF investiert in alle im Index enthaltenen Aktien.

2. Sampling (physisch replizierend): Der ETF investiert in einen möglichst repräsentativen Teil der im Index enthaltenen Aktien.

3. Synthetisch replizierender ETF: Die Fondsgesellschaft geht ein Tauschgeschäft (sogenannten "Swap") mit einem Partner ein, der die Rendite des jeweiligen Indizes auszahlt.

Von allen drei Varianten klingt die letzte am abenteuerlichsten. Dabei sei aber gesagt, dass aus unterschiedlichen Replikationsmethoden unterschiedliche Risiken resultieren können, auf die ich hier aus Platzgründen nicht genauer eingehen werde.

Daher nur kurz: Synthetische ETFs bergen ein Kontrahentenrisiko, welches jedoch gesetzlich auf maximal 10% begrenzt ist. Viele physisch replizierende ETFs verleihen allerdings Aktien, was in der Fondsindustrie gängige Praxis seit Jahrzehnten ist, um zusätzliche Erträge zu erzielen, was jedoch mit einem gewissen Wertpapierleiherisiko einhergeht.

Im Detail sprechen wir darüber im bereits erwähnten Kurs. Was du aber definitiv wissen solltest: 

Diese Risiken sind sehr gering und gut besichert, wenn wir uns diese Mechanismen in der Praxis anschauen. Außerdem führen mögliche Risiken, die ich persönlich für sehr gering halte und in den letzten Jahrzehnten aufgrund der strengen und hohen Besicherung nie zu Schaden für Anleger führten, zu Zusatzerträgen oder günstigeren Gebühren, von denen du als Anleger profitierst

Die Verteufelung von synthetischen ETFs ist dabei oft eher eine Marketingmaßnahme anderer Fondsgesellschaften, da diese nicht prinzipiell schlechter sind als physisch replizierende ETFs (genauso wenig gilt das umgekehrt).

Kriterium 3: Die Kosten

Eines der entscheidendsten Kriterien sind die Kosten. Diese werden bei ETFs mit der TER (= Total Expense Ratio) angegeben, welche wir auch als Gesamtkostenquote bezeichnen.

Je niedriger die TER, desto günstiger ist der ETF.

Aber der Schein trügt: Leider sind nicht alle Kosten und Erträge in der TER enthalten. Dazu gehören u.a. Swap-Gebühren, Wertpapierleiheerträge und mehr.

Das führt dazu, dass die TER ein ungenauer Indikator für die tatsächlichen Kosten ist und mitunter ETFs mit höherer TER besser abschneiden als vergleichbare ETFs mit höherer TER.

Der bessere Indikator ist die Tracking Difference: Die Differenz zwischen Indexrendite und ETF-Rendite.

Kriterium 4: Ertragsverwendung

Viele Aktienunternehmen schütten Dividenden an Aktionäre aus. Bei einem ETF landen diese Dividenden also im Fondsvermögen. Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze, wie der ETF mit diesen Ausschüttungen verfährt.

Variante 1: Ausschüttender ETF. Der ETF schüttet die angehäuften Dividenden an dich aus. Du erhältst sie also auf dein Konto und musst sie versteuern (insofern du keinen Freibetrag hast oder diesen schon ausgeschöpft hast)

Variante 2: Thesaurierender ETF. Der ETF reinvestiert die Dividenden automatisch in die jeweiligen Aktien, die die Dividende ausgeschüttet haben. Du erhältst also keine Zahlung auf dein Konto, dafür steigt dein ETF allerdings stärker im Wert.

Hier gibt es kein richtig oder falsch. Es gibt zwar einige steuerliche Unterschiede, die wir im Online-Kurs vertiefen, in erster Linie ist hier aber deine individuelle Präferenz entscheidend.

Kriterium 5: Fondsvolumen

Das Fondsvolumen gibt an, wie viel Geld in einem ETF investiert ist. Je höher das Fondsvolumen ist, desto eher gilt dies als positiver Indikator.

Zum einen lässt es darauf schließen, dass viele institutionelle Anleger diesen ETF als gut erachten.

Zum anderen steigt dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass der ETF langfristig bestehen bleibt, da ein Fonds umso rentabler für die Fondsgesellschaft ist, je mehr Geld in diesem investiert ist.

Die ETF-Formel: 7 Erfolgsgesetze für ETF-Anleger (und die, die es werden wollen)

Fazit

Wie du vermutlich gemerkt hast, überwiegen die Vorteile deutlich.

Vor allem bei…

  • wenig Erfahrung
  • wenig Startkapital
  • oder wenig Zeit

… stellen ETFs eine optimale Lösung dar um von dem positiven Trend der Börse zu profitieren. Dazu geschieht dies noch mit vergleichsweise geringem Risiko.

Wenn du sofort wissen willst, wie du dir eigenständig ein automatisiertes ETF-Depot aufbaust, erhältst du hier exklusive Tipps per E-Mail und kannst dir gratis die 7-Schritte ETF-Formel herunterladen.

Hinweis: Dieser Artikel wurde erstmals im Mai 2014 veröffentlicht und seitdem grundlegend überarbeitet.

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