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Solltest du dein Geld in Anleihen investieren?

Solltest du in Anleihen investieren? Und damit einhergehend: Sind Anleihen ETFs sinnvoll?

Aktien sind schön und gut. Aber wird aus Aktienboss vielleicht noch „Anleihenboss“? 😉

Anleihen sorgen für Streicheleinheiten für dein unruhiges Anlegerherz. Regelmäßige Zinsen und die „sichere“ Rückzahlung des Nennwerts.

Aktien können deine Nerven dagegen aufs Äußerste strapazieren. Anleihen gelten als sicherer – was den meisten Deutschen schon als Argument zum Investieren reicht.

Ich möchte aber tiefer gehen und dir zeigen, ob Anleihen dein Depot sinnvoll ergänzen und wie gut Anleihen für deine Geldanlage geeignet sind.

Was ist überhaupt eine Anleihe?

Eine Anleihe ist ein festverzinsliches Wertpapier. Aktien dagegen liefern dir keine feste Zinszahlung, sondern eine Kurssteigerung und Gewinnausschüttungen.

Anleihen sind, genau wie Aktien, jederzeit an der Börse handelbar.

Sowohl Staaten geben Anleihen heraus, als auch private Unternehmen.

Anleihen werden von Rating-Agenturen bewertet. Bei einer hohen Rückzahlungswahrscheinlichkeit des Nennwertes einer Anleihe sprechen wir von einer hohen Bonität.

Staatsanleihen mit hoher Bonität gelten als risikolos. Zu diesen gehören unter anderem auch deutsche und US-amerikanische Staatsanleihen.

Aber wie gut sind diese festverzinslichen Wertpapiere jetzt für deine Geldanlage? Die folgenden drei Fragen werden dir diese Frage beantworten.

Frage #1: Machen Anleihen dein Depot sicherer?

Bei der Investition in Anleihen spielt ein Motiv die Hauptrolle: Die Sicherheit.

Durch Anleihen soll das Risiko gesenkt werden.

Dabei geht es bei der Senkung des Risikos nicht darum, wieviele Aktien oder Anleihen ausfallen. Es geht darum, dass die Schwankungen deines Depotwertes reduziert werden.

Aktien unterliegen Kursschwankungen, wenn neue Unternehmensnachrichten oder Wirtschaftsmeldungen veröffentlicht werden.

Auch Anleihenkurse können schwanken. Das tun sie dann, wenn sich das Zinsniveau ändert oder wenn die Aussicht auf die Rückzahlung des Betrages schlechter wird.

Beispiel: Du kaufst eine Anleihe mit einer Verzinsung von 1% bei einem Marktzins von 1%.

Wenn jetzt das Zinsniveau auf 2% steigt, wird deine Anleihe mit der 1%-Verzinsung unattraktiver, da die Anleger jetzt andere Anleihen mit der höheren Verzinsung bevorzugen. Der Kurs von deiner Anleihe fällt.

Generell gelten Anleihen als deutlich schwankungsresistenter als Aktien.

Diese Schwankungen werden auch als Volatilität bezeichnet. Diese wiederum wird oft durch die Standardabweichung, eine mathematische Größe, beschrieben.

Sind Anleihen denn wirklich schwächeren Schwankungen als Aktien ausgesetzt?

Ken Fisher, Investor und Multi-Milliardär, geht diesem Mythos in seinem Buch „Börsen-Mythen enthüllt für Anleger“ auf den Grund.

Dazu zieht er Daten vom US-Markt heran, die bis 1925 zurückreichen.

Sehr wichtig ist hier die Unterscheidung nach verschiedenen Anlagedauern. Wir vergleichen dabei ein reines Aktien-Depot, ein 50% Aktien/50%-Anleihen-Depot und ein reines Anleihen Depot.

Bei einem gemischten Depot kann die Volatilität geringer sein als bei den reinen Depots, wenn Anleihen und Aktien sich zu einem gewissen Teil entgegengesetzt entwickeln.

Wenn bspw. die Kurse der Anleihen steigen, die Kurse der Aktien fallen, bleibt der Depotwert ungefähr gleich und schwankt dadurch weniger als bei beiden Extremen.

Zeithorizont: 5 Jahre

Volatilität Aktien: 8,8%

Volatiltät 50/50: 5,1%

Volatilität Anleihen: 4,0%

→ Hier haben Anleihen tatsächlich die geringste Volatilität, Aktien die höchste.

Zeithorizont: 20 Jahre

Volatilität Aktien: 3,4%

Volatiltät 50/50: 2,6%

Volatilität Anleihen: 3,2%

→ Hier näheren sich beide Schwankungen stark an und sind beinahe identisch. Das gemischte Depot schwankt am wenigsten.

Zeithorizont: 30 Jahre

Volatilität Aktien: 1,4%

Volatiltät 50/50: 1,7%

Volatilität Anleihen: 2,8%

→ Jetzt ist das reine Aktien-Depot sogar stabiler als das gemischte und das Anleihen-Depot.

Du siehst also: Je länger der Anlagezeitraum, desto sicherer wird deine Investition.

Vor allem Aktien werden aber bei einem langen Anlagehorizont sicherer – sogar sicherer als Anleihen.

Kurzfristig sind die Schwankungen bei Aktien deutlich stärker als bei Anleihen. Langfristig können wir unser Risiko aber durch Aktien sehr stark reduzieren.

Wie verhält es sich jetzt aber mit der Rendite von Anleihen?

Frage #2: Verbessern Anleihen deine Rendite?

Ken Fisher liefert uns auch Daten für die Rendite von Aktien und Anleihen in den eben genannten Zeiträumen.

Zeithorizont: 5 Jahre

Jährl. Rendite Aktien: 9,9%

Jährl. Rendite 50/50: 7,7%%

Jährl. Rendite Anleihen: 5,5%

Zeithorizont: 20 Jahre

Jährl. Rendite Aktien: 11,2%

Jährl. Rendite 50/50: 8,3%

Jährl. Rendite Anleihen: 5,5%

Zeithorizont: 30 Jahre

Jährl. Rendite Aktien: 11,2%

Jährl. Rendite 50/50: 8,3%

Jährl. Rendite Anleihen: 5,3%

Im kurzfristigen Zeitraum haben Aktien größere Schwankungen als Anleihen. Für dieses zusätzliche Risiko wirst du aber im Durchschnitt mit einer höheren Rendite belohnt.

In jedem Zeitraum ist die Rendite der Aktien mit Abstand die höchste. Ab einem Anlagezeitraum von 20 Jahren liegt diese sogar doppelt so hoch wie die der Anleihen – wohlgemerkt bei einer durchschnittlich niedrigeren Schwankung der Kurse.

Dazu muss aber gesagt sein, dass wir hier nur Durchschnitte betrachten. Diese Werte stammen aus der Vergangenheit und können im Einzelfall immer abweichen.

Deshalb noch ein weiterer interessanter Fakt:

Von 1925 – 2012 hat es 67 rollierende 20-Jahres-Zeiträume gegeben.

In ganzen 65 dieser 20-Jahres-Zeiträume, also in 97% aller Fälle, lag die Rendite der US-amerikanischen Aktien über der Rendite der US-amerikanischen Staatsanleihen.

In diesen Zeiträumen wurde das Vermögen durch Aktien um durchschnittlich 881% gesteigert, durch Anleihen „nur“ um 247%.

Dagegen war in den zwei Zeiträumen, in denen die Anleihen die Aktien geschlagen haben, denkbar knapp: Aktien vermehrten das Geld in den 20 Jahren durchschnittlich um 243%, Anleihen um 262%.

Selbst wenn Anleihen also besser sein sollten, was in der Vergangenheit über 20 Jahre nur zu 3% der Fall war, ist der Renditeunterschied nur sehr gering.

Die dritte Frage soll nun einen speziellen Punkt der Anleihen klären: Die regelmäßigen Zinszahlungen.

Frage #3: Sind Anleihen für regelmäßige Zinszahlungen alternativlos?

Ein Punkt, der Anleihen interessant macht, sind die regelmäßigen Zinszahlungen. Dadurch kann bei einem großen Vermögen ein schönes, passives Einkommen entstehen.

Dabei bieten auch Aktien einen Weg, der zu regelmäßigen Zahlungen führt: Die Auszahlung von Dividenden oder das gezielte Anwenden von Dividendenstrategien.

Zum Verständnis: Wenn du eine Aktie, deren Kurs 100€ beträgt, mit einer Dividendenrendite von 3% besitzt, erhältst du eine Auszahlung von 3€. Die Kurssteigerung wird dabei nicht berücksichtigt.

Besitzt du eine Anleihe, deren Nennwert 100€ beträgt und einen regelmäßigen Zins von 3% ausschüttet, erhältst du ebenfalls 3€.

Gerade heute ist dieses Thema hochaktuell. Der Trend geht klar zu Dividenden.

Christian Kirchner schreibt dazu für die Capital:

„In 60 Prozent der Fälle lag die Rendite von US-Anleihen unterhalb der durchschnittlichen Dividendenrendite von US-Aktien. Daran kann sich nur kaum noch jemand erinnern, weil es in der jüngeren Vergangenheit zwischen den 60er- und Nuller-Jahren fast immer andersherum war.
Früher hingegen war es völlig normal, dass Aktionäre für das Halten volatiler Dividendenpapiere höher entlohnt werden wollten als für den Besitz von Staatsanleihen – wenngleich nicht in dem dramatischen Ausmaß wie derzeit, denn die Dividendenrendite des Dax ist unglaubliche 25-mal höher als die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen.“

Gerade heute sind Dividenden deutlich attraktiver als Anleihen, da das Zinsniveau extrem niedrig ist.

Aber auch im langfristigen Durchschnitt schlagen die Dividenden die Zinszahlungen der Anleihen. Und dabei ist noch nicht einmal die positive Kursentwicklung der Aktien mit einberechnet. Vor allem eine Dividendenstrategie kann die erwartete Ausschüttung dabei noch erhöhen, wenn das dein Ziel ist.

Du siehst also: Selbst wenn es dir um regelmäßige Barauszahlungen auf dein Konto geht bist du bei Aktien meistens besser aufgehoben als bei Anleihen.

Was die ganz Großen von Aktien halten

Ich habe dir die Fakten der Vergangenheit geliefert:

Kurzfristig schwanken Anleihen schwächer als die Kurse von Aktien. Außerdem können sie die Schwankungen mittelfristig abschwächen, wenn sie zu Aktien beigemischt werden.

Langfristig schwanken aber Aktien schwächer als Anleihen.

Die Rendite von Aktien war der Rendite der Anleihen fast immer deutlich überlegen.

Regelmäßige Auszahlungen können ebenso durch Dividenden, statt den regelmäßigen Zinszahlungen, realisiert werden.

Aber was sagen die großen Investoren zu Anleihen?

Ken Fisher habe ich bereits erwähnt. Er ist Milliardär, Investor, Autor einiger Bücher und schreibt eine Kolumne für Focus Money. Er kritisiert vor allem den Mythos, dass Anleihen sicherer als Aktien seien.

Peter Lynch ist einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten. Er schreibt in seinem Buch „Der Börse einen Schritt voraus“:

„Historisch gesehen sind Aktien ohne jeden Zweifel profitabler als Anleihen. Mit Anleihen werden Sie Ihr Geld niemals verzehnfachen, es sei denn, dass Sie waghalsige Spekulationen mit Anleihen eingehen, deren Rückzahlung fraglich ist.“

Und auch Warren Buffett äußert sich zu Anleihen. Vor allem aus heutiger Sicht bewertet er diese ebenfalls kritisch, wie finanzen100.de schreibt:

Bonds sind „schreckliche Investments“
Seiner Ansicht nach bleiben Aktien weiterhin anderen Anlageformen wie Anleihen deutlich überlegen. „Anleihen sind jetzt schreckliche Investments“, so Buffett. Die Anleihenkurse seien durch die Käufe der US-Notenbank auf ein künstliches Niveau hinaufgetrieben worden. Sollten irgendwann die Zinsen wieder steigen, könnten Bond-Investoren sehr viel Geld verlieren, warnte Buffett.

Viele der großen Investoren stehen Anleihen also kritisch gegenüber.

Ich habe bewusst Daten verwendet, die weit zurückreichen, damit sie aussagekräftiger sind. Wenn wir Anleihen aus heutiger Sicht betrachten, sehen wir aber, dass sie noch unattraktiver sind.

Die Umlaufrendite beschreibt die durchschnittliche Rendite der Bundesanleihen. Was der DAX für den deutschen Aktienmarkt ist, ist die Umlaufrendite für den Rentenmarkt.

1975 – 2000 lag die Umlaufrendite deutscher Staatsanleihen größtenteils zwischen 5% und 10%. Seit 2010 lag die Umlaufrendite fast immer unter 2%, heute sogar bei nur 0,28% (Stand: 4. Mai 2015).

In der Vergangenheit waren Aktien also besser als Anleihen, obwohl Anleihen damals noch deutlich stärker waren als sie es heute sind.

Solltest du in Anleihen investieren?

Abschließend lässt sich festhalten, dass Aktien den Anleihen weitestgehend überlegen sind.

Aber nichtsdestotrotz können Anleihen dein Depot bereichern.

Je kurzfristiger du in Aktien investierst, desto spekulativer ist diese Investition.

Wenn dein Anlagehorizont also nicht länger als 5 Jahre reicht, gehst du ein höheres Risiko ein, wenn du auf Aktien setzt. Dann können Anleihen eine gute Alternative darstellen.

Ein anderer Aspekt ist die Beimischung von Anleihen zu Aktien, um das gesamte Risiko zu senken – so lautet die weitverbreitete wissenschaftliche Theorie.

Die Zahlen der Vergangenheit zeigen allerdings ein Bild, bei dem Aktien alleine oft sogar risikoärmer sind als ein gemischtes Depot.

Je kurzfristiger der Anlagehorizont ist, desto eher solltest du über Anleihen in deinem Depot nachdenken.

Und wahrscheinlich schläfst du auch ruhiger, solltest du Kursschwankungen absolut nicht ausstehen können, wenn du nicht alles auf Aktien setzt – obwohl die Vergangenheit genügend Gründe dafür lieferen würde.

Alles weitere zu solchen Überlegungen und wie du diese in der Praxis umsetzt um erfolgreich passiv zu investieren erfährst du in meinem ausführlichen Videokurs.

Es gibt viele Dinge, die deine Risikotoleranz beeinflussen können:

  • Wie sicher ist mein Job?
  • Habe ich noch andere Rücklagen/Vermögensgegenstände?
  • Wieviel Geld investiere ich und wieviel Geld halte ich als Notreserve (was man durch Tagesgeld oder teilweise auch Anleihen realisieren könnte)
  • usw.

Wann Anleihen dein Depot sinnvoll ergänzen

Je mehr dieser anderen Risikofaktoren du aus dem Weg räumen kannst, desto höher kannst du auch deine Aktienquote wählen. Das wichtigste ist aber, dass du dich immer dabei wohlfühlst und ruhig schlafen kannst.

Anleihen können in Krisenzeiten die Kursverluste etwas abschwächen. Wenn die Börsenkurse steigen – was sie überwiegend tun – sind Anleihen allerdings ein Klotz am Bein, der deine Rendite ausbremst.

Aktien sind der Motor, die dein Auto zum Fahren bringen. Anleihen sorgen dafür, dass du im Rückwärtsgang stets kontrolliert und nicht zu schnell fährst.

Wenn du vorwärts fährst sind sie aber der Bremsklotz, der immer mitschleift und verhindert, dass du jemals mit Höchstgeschwindigkeit fahren wirst.

Die rentabelste und risikoärmste Art anzulegen ist langfristig – und da liefern Aktien dir definitiv die beste Rendite. Aktien liefern dir die Höchstgeschwindigkeit.

Unabhängig davon, ob nun Aktien oder Anleihen stärker schwanken: Wenn du dich auf Schwankungen einstellst und dir diese nichts ausmachen, wirst du bei Aktien mit einer höheren Rendite belohnt.

Und auch wenn du, getreu dem Motto „Nur Bares ist Wahres“, auf Barauszahlungen nicht verzichten willst, liefern dir Aktien gute Gründe zum Investieren. Dividenden sei Dank.

Auf den Titel „Anleihenboss“ verzichte ich also sehr gerne – ich bleibe beim „Aktienboss“.

Aktien sind der Motor für eine gute Rendite – und ich möchte lieber ohne die Begrenzung der Anleihen fahren.

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