Alles, was du über Dividendenstrategien wissen musst

Ein regelmäßiger Geldsegen, der durch eine Dividendenstrategie aufs Konto fließt – wer träumt nicht davon?

Die Idee, ein passives Einkommen mit Dividenden aufzubauen, hat in letzter Zeit stark an Popularität gewonnen. Maßgeblich dafür ist das niedrige Zinsniveau, das viele Sparer umdenken und die Dividende zum neuen Zins werden lässt.

Aber was steckt hinter solchen Dividendenstrategien? Ist ein Fokus auf dividendenstarke Aktien oder Dividenden-ETFs sinnvoll? Was sind die Vor- und Nachteile einer Dividendenstrategie anhand konkreter Beispiele?

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In diesem Artikel nehme ich die Dividende an sich und die besten Dividendenstrategien genanuer unter die Lupe. Ich zeige dir einige Irrglauben von Dividenden-Anlegern, wann eine Dividendenstrategie für dich Sinn macht und wie erfolgreich sie in der Vergangenheit waren.

Was ist eine Dividende überhaupt?

Dividendenstrategie Dividendenstrategien - Was ist Dividende

Die Rendite, also der prozentuale Ertrag, den du durch eine Investition in Aktien erzielen kannst, besteht aus zwei Bestandteilen:

Bestandteil #1: Die Kurssteigerung. Du kannst eine Aktie im Erfolgsfall für einen höheren Preis (Aktienkurs) verkaufen als du sie gekauft hast.

Bestandteil #2: Die Dividende. Diese schauen wir uns jetzt genauer an.

Die Dividende ist eine Ausschüttung eines Unternehmens, die in der Regel aus dem Gewinn gezahlt wird. In einigen Fällen wird auch mehr als der Gewinn ausgeschüttet, das ist aber eher die Ausnahme und gilt nicht als nachhaltig.

Wichtig ist dabei, dass die Dividende von Jahr zu Jahr stark schwanken kann. Solltest du darauf wertlegen, solltest du dir in jedem Fall die Dividendenhistorie über mehrere Jahre anschauen.

Die Dividendenrendite als entscheidende Kennzahl

Die wichtigste Kennzahl, die uns im Zusammenhang mit der Dividende interessiert, ist die Dividendenrendite. Was ist die Dividendenrendite?

Die Dividendenrendite gibt an, wie hoch die Ausschüttung im Verhältnis zum Aktienkurs ist. Je höher sie ausfällt, desto höher ist die Ausschüttung, die du prozentual für dein Geld bekommst.

Berechnung der Dividendenrendite

Beispiel: Apple hat im Jahr 2017 einen Gewinn von ca. 48,35 Mrd. US-Dollar gemacht. Wenn wir das auf eine einzelne Aktie herunterrechnen, steht ein Gewinn von 9,27 USD je Aktie zu Buche.


Von diesen 9,27 USD wurden 2,40 USD an die Aktionäre ausgeschüttet. Das Verhältnis dieser beiden Kennzahlen ist die Ausschüttungsrendite oder Ausschüttungsquote (nicht zu verwechseln mit der Dividendenrendite).


Sie gibt an, wie hoch der Anteil der Ausschüttungen am Gewinn ist. Hier liegt dieser Anteil bei ca. 26%.


Die Dividendenrendite berechnet sich hier aus der Ausschüttung je Aktie geteilt durch den Aktienkurs. Da die Aktie aktuell bei einem Kurs von 174 USD notiert ergibt sich auf Basis des Jahres 2017 eine Dividendenrendite von ca. 1,41%.

Anders formuliert: Für jede 100€, die du in Apple investierst, erhältst du (bei gleich bleibender Dividende) 1,41€ pro Jahr ausgeschüttet, gleichzeitig verbleibt mit 3,95€ ein Großteil des Gewinns im Unternehmen, der das Unternehmen wertvoller macht, was sich dann, wenn Apple gut wirtschaftet, im steigenden Aktienkurs widerspiegelt.

Das ist der oft übersehene Grund, warum du auch bei stagnierenden Aktienkursen einen Gewinn machen kannst und eine der drei Triebfedern, die zu langfristig steigenden Aktienmärkten führen.

Zum Vergleich (Stand: 29. Dezember 2017): Im MSCI World, einem aus über 1.600 Aktien aus 23 verschiedenen Industrienationen bestehenden Aktienindex, beträgt die durchschnittliche Dividendenrendite 2,29%.

Im MSCI World High Dividend Yield Index, der sich aus den gleichen Ländern bedient, sich jedoch 250 – 300 Aktien mit höheren, nachhaltigeren und kontinuierlichen Dividendenzahlungen herauspickt, kommt auf eine durchschnittliche Dividendenrendite von 3,59%.

Du siehst also: Selbst ohne vorzeitig zu verkaufen kannst du von deinen Investitionen profitieren.

Dividendenanleger sehen eine Investition wie ein Huhn: Du kannst das Huhn schlachten und einmalig ein leckeres Essen daraus zaubern – oder du lässt es am Leben und bekommst jeden Tag frische Eier.

Oder du siehst es als Baum, der langsam aber stetig wächst (= deine Investitionen) und dir immer größere Früchte (= Dividenden) abwirft.

Einen solchen Dividenden-Baum im Garten zu haben ist doch ein durchaus sympathischer Gedanke, oder?

3 Irrglauben über Dividenden, die du schleunigst vergessen musst

Dividendenstrategie Dividendenstrategien - Irrglauben und Mythen

Bevor wir uns anschauen, wie eine Dividendenstrategie genau aussieht, möchte ich dich über drei große Irrglauben aufklären, die noch immer an der Börse herumschwirren.

#1 – Die Dividende ist kein geschenktes Geld

Auch wenn es schön wäre: Geschenktes Geld gibt es nicht. Auch nicht bei der Dividende.

Der Grund: Der sogenannte „Dividendenabschlag“. Dieser führt dazu, dass der Aktienkurs, sobald die Dividende ausgeschüttet wird, um den ausgeschütteten Betrag fällt.

Beispiel zum Dividendenabschlag

Wir haben zwei identische Aktien, die zu einem Kurs von jeweils 100€ notieren. Beide Aktien haben im Laufe des Jahres einen Gewinn erzielt.


Aktie A entscheidet sich einen Teil des Gewinns, genauer gesagt 3% des Aktienkurses, an die Aktionäre auszuschütten. Aktie B reinvestiert den kompletten Gewinn.


Der Aktienkurs von Aktie B bleibt damit bei 100€, da die Gewinne bereits erzielt wurden und im Unternehmen verbleiben.


Der Aktienkurs von Aktie A fällt nach der Ausschüttung um die ausgeschütteten 3€, liegt jetzt also bei 97€. Das ist nur logisch:


Da im Unternehmen A nun weniger Geld vorhanden ist als in Unternehmen B, muss es weniger wert sein, was der Aktienkurs widerspiegelt.

Für den Anleger war es demnach egal, in welche Aktie er investiert hat:

Mit Aktie B hätte er eine Aktie im Wert von 100€ im Depot.

Mit Aktie A hätte er eine Aktie im Wert von 97€ im Depot und eine Ausschüttung von 3€ erhalten, in Summe also ebenfalls 100€.

Wäre das nicht so, könnte man schließlich einfach am Tag vor der Hauptversammlung, bei der die Dividenden festgelegt und zugeteilt werden, kaufen, wenige Tage später die Dividende kassieren und wieder verkaufen. So blöd ist die Börse aber offensichtlich nicht.

Du siehst: Ob Dividende oder nicht ist Jacke wie Hose – zumindest auf den ersten Blick.

Denn ja, es gibt Unterschiede, die wir gleich bei den Vor- und Nachteilen besprechen werden. Aber die Hoffnung, dass du bei einer Dividende Geld geschenkt bekommst, gehört aufgrund des Dividendenabschlags nicht dazu.

#2 – Auf die Dividende gibt es keine Garantie

Ein großer Unterschied zu einer klassischen Zins-Anlage liegt in der zeitlichen Komponente der Zahlung:

Die Dividendenrendite ist stets auf die zuletzt ausgeschüttete Summe bezogen, also eine vergangenheitsorientierte Kennzahl.

Der Zinssatz, den du bspw. bei einer Anleihe erhältst, ist das Versprechen für die Zukunft.

Es kann jederzeit dazu kommen, dass die Dividende eines Unternehmens erhöht, gesenkt oder in Extremfällen sogar komplett gestrichen wird.

Eine Dividende ist also, im Gegensatz zum Zinssatz, kein in Stein gemeißelter Wert, sondern schwankt jedes Jahr und ist daher mit einer gewissen Unsicherheit für die Zukunft verbunden.

#3 – Dividendenaktien sind nicht nur sichere Unternehmen

Tatsächlich kommen Dividendenaktien oftmals aus eher defensiven und konjunkturunabhängigen Branchen.

Gleichermaßen gehen aber viele Dividenden-Anleger davon aus, dass eine hohe Gewinnausschüttung eine hohe Sicherheit verspricht. Dem ist aber nicht so, denn:

Viele Unternehmen, die eine hohe Dividendenrendite haben, haben diese in Folge eines gefallenen Aktienkurses aufgrund pessimistischer Erwartungen des Marktes.

Aktuelle Beispiele dafür aus dem DAX: ProSiebenSat.1 Media, Allianz, Daimler, Lufthansa und BMW gehören zu den größten Dividendenzahlern mit einer Dividendenrendite von ca. 4% aufwärts.

All diese Unternehmen sind enormen Herausforderungen und Konkurrenten ausgesetzt.

ProSiebenSat1 hat mit Streaming-Anbietern zu kämpfen, Allianz mit der Niedrigzinsphase und die Automobilhersteller mit Tesla, Elektromobilität und der eigenen Unfähigkeit im Zuge des Dieselgate-Skandals.

All das sind keine Aktien, die man als besonders „sicher“ bezeichnen würde.

Das heißt nicht, dass man nicht in diese Aktien investieren sollte, denn wo Risiken sind, sind auch Chancen. Aber trotzdem ist die oft betonte Sicherheit von Dividendenaktien hier nicht gegeben.

Aber es gibt ja noch andere Kriterien neben der Dividendenrendite, die für mehr Sicherheit sorgen können, auf die wir jetzt einen Blick werfen.

Diese Kriterien kennzeichnen die besten Dividendenstrategien

Dividendenstrategie Dividendenstrategien - Kriterien und Kennzahlen

Jetzt, wo wir die größten Irrglauben ausgeräumt haben, kommen wir zu den Kriterien: Wie sieht eine Dividendenstrategie aus?

Kurz vorab die Definition:

Was ist eine Dividendenstrategie?

Eine Dividendenstrategie beschreibt eine Strategie zur Auswahl von Aktien, die sich auf Aktien mit besonders hoher Ausschüttung im Verhältnis zum Aktienkurs fokussiert.

Grundsätzlich gilt, dass deiner Freiheit bei der Ausgestaltung der Dividendenstrategie keine Grenzen gesetzt sind, insofern sie einen Bezug zur Dividende haben.

Jeder kann seine Strategie so definieren, wie er will. Trotzdem gibt es einige zentrale Faktoren, die u.a. ursprünglich auf den legendären Benjamin Graham und Michael B. O’Higgins zurückgehen.

Eine populäre Dividendenstrategie ist die „Dogs of the Dow“-Strategie von eben jenem O’Higgins. Sie ist denkbar simpel:

Du wählst schlichtweg die Aktien aus, die die höchste Dividendenrendite aufweisen und überprüfst dies jedes Jahr aufs Neue und tauschst Aktien entsprechend aus. Fertig – die erste Dividendenstrategie.

Die berühmte Ratingagentur Standard & Poor’s hat einen Index mit dem Namen „S&P500 Dividend Aristocrats“ aufgelegt. In diesen werden US-amerikanische Aktien aufgenommen, die ihre Dividenden in den letzten 25 Jahren jedes Jahr erhöht haben.

In diesen Index schaffen es also nur Unternehmen, die wirklich jedes Jahr die Dividende erhöht haben - sogar in den Crash-Zeiten wie zur Finanzkrise 2007 bis 2009. Aktuell sind 51 Unternehmen in diesem Index enthalten.

Weitere Kriterien neben der Dividendenrendite und der Kontinuität der Zahlen können die Ausschüttungsrendite, das Wachstum der Dividenden oder generelle Kriterien zum Unternehmen sein, die keinen direkten Bezug zur Dividende haben.

In den Vorteilen werde ich dir jetzt noch einen Ausblick auf die Gesamtrendite geben, die mit solchen Strategien in der Vergangenheit möglich war.

Die 4 großen Vorteile einer Dividendenstrategie

Du weißt jetzt also was die Dividende ist, welche Irrglauben nicht stimmen und welche Kriterien eine Dividendenstrategie ausmachen. Aber ist eine Dividendenstrategie sinnvoll?

Schauen wir uns zuerst die Vorteile einer Dividendenstrategie an.

Vorteil #1: Die Wertsteigerung von Dividendenstrategien

Jetzt aber mal Butter bei die Fische: Wie erfolgreich waren denn die Dividendenstrategien?

Der Grundgedanke dahinter lautet: Aktien, die besonders hohe Gewinne ausschütten oder diese Ausschüttungen über einen längeren Zeitraum halten konnten, sind besonders krisensicher und liefern möglicherweise höhere Renditen.

Ein Problem bei der Beurteilung: Ist der richtige Indikator wirklich die Summe der ausgeschütteten Gewinne – oder sollte man womöglich auf die gesamten Gewinne schauen, wie es bspw. beim Kurs-Gewinn-Verhältnis der Fall ist?

Diese Diskussion würde jetzt den Rahmen sprengen. Dieser Hinweis soll nur verdeutlichen, dass nicht jede der gleich gezeigten Wertentwicklungen wirklich nur auf die Ausschüttung zurückzuführen sein muss, sondern bspw. auch aus den gesamten Gewinnen, die bei dividendenstarken Unternehmen oft höher sind, resultieren können.

Werfen wir also einen Blick in die Renditen der Vergangenheit.

Vorab: Dabei betrachten wir die Renditen in der „Total Return“-Variante, also die Gesamtrendite bestehend aus Kurssteigerungen und Dividenden.

Dividendenzahler vs. Nicht-Dividendenzahler

Erst einmal stellen wir uns die Frage, wer in der Vergangenheit besser abgeschnitten hat: Aktien, die eine Dividende gezahlt haben oder Aktien, die keine gezahlt haben?

"The Bahnsen Group" hat das ganze anschaulich aufbereitet und innerhalb des S&P500 verglichen:

Das Ergebnis:

Aktien, die ihre Dividende erhöht und Aktien, die generell eine Dividende gezahlt haben, haben im untersuchten 42-Jahres-Zeitraum eine höhere Rendite sowie niedrigere Schwankungen als solche Aktien erzielt, die keine Dividende gezahlt haben.

Ein Grund dafür liegt darin, dass oftmals Wachstumsunternehmen und sogenannte Trend-Aktien keine Dividenden zahlen - und warum diese oftmals nur schlechte Renditen liefern habe ich hier beschrieben.

Gehen wir noch einen Schritt weiter ins Detail. Wie haben sich die Renditen verschiedener Aktiengruppen entwickelt, die...

  • keine Dividende zahlen
  • die 30% mit den niedrigsten Dividendenrenditen darstellen
  • die mittleren 40% darstellen
  • die 30% mit den höchsten Dividendenrenditen darstellen

Das Ergebnis siehst du auf folgender Grafik (logarithmierte Darstellung) von 1927 bis Ende 2014.

Höhe der Dividendenrendite im Vergleich (logarithmierte Wertentwicklung)

Quelle: Al Frank Asset Management; Datenquelle u.a. French

Hier ist ein klarer Trend erkennbar, auch wenn dieser sich erst nach ca. 20 Jahren langsam herausgearbeitet hat: Je höher die Dividende ist, die eine Gruppe von Aktien im Durchschnitt ausschüttet, desto höher war die Durchschnittsrendite.

Eine weitere spannende Frage ist: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, je nach Anlagehorizont, dass eine auf hohe Dividendenrenditen fokussierte Strategie den Gesamtmarkt hinter sich lässt?

Auch diese Fragestellung wurde von 1930 - 2014 in den USA untersucht.

Dividendenstrategien Outperformance nach Anlagehorizont

Quelle: The Bahnsen Group; Datenquelle u.a. French

Das Ergebnis: Bei einem Anlagehorizont von 10 Jahren lag die Wahrscheinlichkeit mit diesen Aktien besser als der Markt abzuschneiden bei 88%.

Schauen wir uns nun noch einmal konkrete Indizes und Strategien der jüngsten Vergangenheit an.

Wertentwicklung des MSCI World HDY

Der MSCI World High Dividend Yield Index hat von Juni 1995 bis Ende 2017 eine jährliche Durchschnittsrendite von 9,24% geliefert, während der Gesamtmarkt um 7,61% gestiegen ist. Hier liegt der Dividendenindex also vorne.

In den letzten 15 Jahren sieht das Bild allerdings schon deutlich ausgeglichener aus und beide liegen ziemlich gleichauf.

Wertentwicklung von Dividendenstrategien (MSCI World High Dividend Yield)

Quelle: msci.com

Wertentwicklung der "Dogs of the Dow"

Die „Dogs of the Dow“ Strategie hat von 1992 bis 2011 eine ähnliche Durchschnittsrendite wie der Dow Jones geliefert (ca. 10,8% p.a.) und den S&P500 (9,6%) geschlagen, also besser oder gleich gut wie die beiden größten US-amerikanischen Aktienindizes abgeschnitten.

Dieser Vergleich hat allerdings methodische Schwächen, weshalb ich diesen nur mit Vorsicht genießen würde. Um sie kurz für Fortgeschrittene & Investment-Nerds anzureißen:

Der S&P500 und die „Dogs of the Dow“ Strategie selektieren aus unterschiedlichen Aktienkörben, was Unterschiede vorprogrammiert. Außerdem unterscheiden sich die Gewichtungsmethoden einzelner Aktien, wodurch der Effekt möglicherweise nicht auf die Dividendenzahler sondern schlichtweg diese Gewichtungsänderung zurückgeht.

Wertentwicklung der S&P Dividendenindizes

Der S&P500 Dividend Aristocrats hat den Vergleichsindex S&P500 (Stand Ende 2017) in den letzten 10 Jahren um ca. 3,5% pro Jahr im Durchschnitt geschlagen.

Die globale Variante, der S&P Global Dividend Aristocrats, bei der die Kriterien leicht abgewandelt sind (Dividendenerhöhungen seit 10 statt 25 Jahren, Gewichtung nach Höhe der Dividende,…) konnte nicht so gut abschneiden: Sie blieb im Durchschnitt ca. 1,5% pro Jahr hinter dem Marktdurchschnitt zurück.

Eindeutig sind die Ergebnisse nicht. Auch in der Wissenschaft (siehe French & Fama, Keim, Kotecha & Yadav) ist es umstritten, ob und inwiefern dividendenstarke Aktien höhere Folgerenditen liefern.

Der Großteil kommt aber zu dem Schluss, dass dividendenstarke Aktien in der Vergangenheit überdurchschnittliche Gesamtrenditen geliefert haben (auch wenn die Gründe dafür, wie eingangs beschrieben, nicht immer die Dividende selbst sein müssen, sondern bspw. aus generell höheren Gewinnen stammt).

Vorteil #2: Der Cash-Flow

Ein Vorteil, der auf der Hand liegt, ist der Kapitalfluss, der auf deinem Konto landet. Hier muss ich allerdings die Einschränkung machen, die ich im Irrglauben #1 bereits angesprochen habe:

Du könntest den gleichen Kapitalfluss generieren, wenn du statt einer Dividendenrendite von bspw. 3% jedes Jahr 3% deines Depots bzw. deines Wertpapiers verkaufst.

Einen Vorteil hat die Dividenden-Variante dabei jedoch: Bei der Ausschüttung fallen keine Transaktionskosten wie beim Verkauf von Anteilen an.

Wenn du also deinen Lebensunterhalt durch Dividenden decken möchtest sind Dividenden in jedem Fall die kostengünstigere Variante um Geld aus deiner Geldanlage auf deinem Konto zu sehen.

Vorteil #3: Der psychologische Effekt

Ein oft übersehener Vorteil von Dividendenstrategien, in meinen Augen sogar der größte Vorteil, ist nicht in den harten Fakten zu finden. Sondern in den Köpfen der Anleger.

Wenn du nicht mehr hin und her handeln musst um Gewinne zu realisieren, sondern dies über Dividenden geschieht, kann es dir bei einer Buy-and-Hold-Anlage und einem langfristigen Anlagehorizont helfen, am Ball zu bleiben. Und wie du weißt birgt langfristiges Investieren viele Vorteile.

Viele Experten, darunter auch andere Finanzblogger, erkennen diesen Vorteil, tun ihn aber – in meinen Augen vorschnell – als nichtig ab. Dabei ist die Psychologie einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der Geldanlage.

Viele Menschen würden womöglich mehr Interesse an Aktien zeigen, wenn sie wüssten, dass sie regelmäßige Ausschüttungen bekommen – unabhängig davon, ob das nun auf dem Papier die beste Anlagestrategie für Rendite-Jäger ist oder nicht.

Viele Dividenden-Investoren sind deutlich entspannter und krisenresistenter als „normale“ Anleger, da ihr Fokus wechselt: Der normale Anleger sieht im Crash nur, dass sein Depot 50% an Wert verliert. Der Dividenden-Anleger kassiert weiter seine Dividenden, die womöglich nur schwächer gefallen sind.

So sind die Kurse der DAX-Unternehmen im Zuge der Finanzkrise in etwa um diese 50% gefallen, während die Dividendenzahlungen in Summe nur um 27,6% gesunken sind.

Das Ganze ist auch wissenschaftlich schon 1983 von Shefrin und Statman in ihrer Studie "Explaining investor preference for cash dividends" belegt worden, die mit den berühmten Erkenntnissen aus der "Prospect theory" von Kahnemann und Tversky einhergeht:

Sie stellen fest, dass die Dividende kein geschenktes Geld ist, die Anleger es aber als solches wahrnehmen.

Darüber hinaus haben Anleger Angst vor Entscheidungen. Bei der Dividende müssen sie nicht wie bei einem (Teil-)Verkauf aktiv entscheiden, sondern die Ausschüttung passiert einfach.

In beiden Fällen ist das Ergebnis also genau das gleiche, trotzdem siegen hier die Emotionen und die Psyche, die Anleger zu dividendenstarken Aktien tendieren lässt.

Diese Faktoren sind deshalb wichtig, weil sie dich entspannter machen können und ein Großteil der Anleger nicht dann scheitert, wenn die Kurse nach oben gehen, sondern wenn es mal richtig kräftig nach unten geht. Sie verkaufen in Panik zum schlechtesten Zeitpunkt.

Wenn eine Dividendenstrategie dir also dabei hilft entspannt zu bleiben und deinen Fokus weg von den täglichen Schwankungen des Aktienmarktes zu lenken, ist das ein großer Pluspunkt.

Vorteil #4: Steuern (nicht für jeden)

Steuerlich kann der Fokus auf Aktien oder ETFs mit (hohen) Ausschüttungen in einigen Fällen einen Steuervorteil, in einigen aber auch einen Steuernachteil (mehr dazu gleich) mit sich bringen.

Der Vorteil entsteht in Deutschland dann, wenn du deinen Sparerpauschbetrag, also den Freibetrag deiner Kapitaleinkünfte, noch nicht ausgeschöpft hast. Dieser liegt in Deutschland für unverheiratete Personen bei 801€, bei verheirateten in Summe bei 1.602€.

Bis zu dieser Summe, die sich auf deine Gewinne bezieht, musst du keine Steuern bezahlen. Erst ab jedem Cent Gewinn oberhalb deines Freibetrags greift die Abgeltungssteuer mit 25%.

Gewinne durch Aktien werden dabei erst dann versteuert, wenn sie wirklich als bares Geld auf deinem Konto landen.

Das bedeutet: Wenn du Dividenden erhältst oder wenn du Kursgewinne durch einen Verkauf realisierst.

Wenn du also noch Platz in deinem Freibetrag hast, kannst du einen Dividenden-Fokus nutzen, um diesen besser auszunutzen, jedes Jahr einen Teil der Gewinne steuerfrei zu realisieren und so deine Steuerlast zu senken.

Denn wenn du die gleiche Gesamtrendite erreichst, diese allerdings nur aus Kursgewinnen besteht, wirst du diese irgendwann voraussichtlich komplett auf einen Schlag realisieren und versteuern müssen, da deine Steuerlast dann vermutlich oberhalb deines Freibetrags liegen wird.

Die 4 großen Nachteile von Dividendenstrategien

Okay, das waren vier Vorteile. Und diesen Vorteilen stehen ebenfalls vier Nachteile entgegen, die du bei aller Euphorie unbedingt beachten solltest.

Nachteil #1: Der Cash-Flow

Ja, auch der Cash-Flow ist nicht nur ein Vorteil, sondern kann auch Nachteile mit sich bringen. Je nachdem, wofür du die Dividenden brauchst, überwiegt eins davon für dich.

Solltest du Dividenden nicht zum Leben brauchen, sondern sie ohnehin direkt reinvestieren wollen, ist die Ausschüttung möglicherweise nur ein nerviger Zwischenschritt:

Du hast sowohl zeitlichen als auch finanziellen Aufwand durch Transaktionskosten, wenn du deine Dividende reinvestierst.

Eine Aktie, die nicht ausschüttet (wobei ich das nie als Ausschlusskriterium sehen würde) oder vielmehr ein ETF, der Dividendenzahlungen automatisch thesauriert, kann dann die deutlich entspanntere und günstigere Alternative für dich sein.

Nachteil #2: Geringere Diversifikation & Risiko

Wenn du dich auf dividendenstarke Aktien fokussierst wirst du in der Regel geringere Möglichkeiten zur Risikostreuung haben als gewöhnlich.

Denn es gibt einige Aktiengruppen, die nur selten oder nur geringe Gewinnausschüttungen vorweisen. Dazu gehören kleinere Aktien oder auch Wachstumsaktien (sogenannte Growth-Aktien), die ihre Gewinne lieber im Unternehmen selbst reinvestieren.

Investierst du ausschließlich in Dividenden-Aktien, wirst du diese und andere Aktiengruppen womöglich verpassen – und damit einhergehend auch die Renditechancen, die beispielsweise kleinere Aktien in der Vergangenheit offenbart haben.

Darüber hinaus gibt es neben den Renditekennzahlen auch Risikokennzahlen, die wir betrachten sollten.

In der Vergangenheit waren Aktien, die eine Dividende gezahlt haben, im Durchschnitt weniger anfällig für Wertschwankungen, als Aktien, die keine Dividende gezahlt haben.

Das ist soweit auch nachvollziehbar. Ob ein Fokus auf die höchsten Dividendenzahler allerdings mehr Sicherheit verspricht ist fraglich.

So lag die durchschnittliche Volatilität über die letzten 10 Jahre im MSCI World HDY mit 16,89% etwas höher als der Vergleichsindex mit 16,34%.

Darüber hinaus betrug der maximale Drawdown, also der höchste kumulierte Verlust in einer Periode (hier war es die Finanzkrise 2007 - 2009), im Dividendenindex 62,90%, im Vergleichsindex "nur" 57,56%.

Im S&P500 Dividend Aristocrats waren die Schwankungen im Vergleich zum normalen S&P500 etwas geringer (bei höherer Rendite), bei der globalen Alternative von S&P waren die Schwankungen etwas stärker (bei niedrigerer Rendite).

Insgesamt weisen solche Strategien also etwas höhere Schwankungen und möglicherweise auch (temporäre) Verluste in Krisenzeiten auf, derer du dir bewusst sein solltest.

Nachteil #3: Höhere Kosten

Nicht nur beim Reinvestieren der Dividende fallen höhere Kosten an. Auch das Umsetzen einer Dividendenstrategie ist in der Regel mit etwas höheren Kosten verbunden.

Solltest du in einzelne Aktien investieren ist dein Kostenaufwand vermutlich in etwa der gleiche und individuell sehr unterschiedlich, weshalb ich hier keine pauschale Aussage treffen kann.

Möchtest du aber in einen Dividenden-ETF investieren, der einen großen Dividendenindex abbildet, musst du etwas höhere Kosten in Kauf nehmen.

So beträgt die Gesamtkostenquote (TER) beim aktuell günstigsten ETF auf den MSCI World bei 0,15%. Der günstigste Dividenden-ETF beginnt bei einer TER von ca. 0,30%.

Nachteil #4: Steuern (nicht für jeden)

Der steuerliche Nachteil tritt dann auf, wenn das Gegenteil vom Vorteil #4 erfüllt ist:

Dein Freibetrag ist bereits ausgeschöpft.

Wenn das auf dich zutrifft möchtest du es möglichst vermeiden zusätzliche Gewinne früh versteuern zu müssen, wie es bei Dividenden der Fall ist.

Denn: Je später Gewinne versteuert werden, desto niedriger ist effektiv deine Steuerlast. Das liegt daran, dass du noch länger von dem unversteuerten Kursgewinn profitieren kannst.

Das Ganze ist auch als Steuerstundungseffekt bekannt, auf den ich hier nicht ausführlich eingehen werde. Wichtig ist zu wissen, dass es ihn gibt.

Steuerstundungseffekt

Je später du Gewinne versteuerst, desto geringer wird deine effektive Steuerlast und dementsprechend höher fallen deine Nettogewinne aus.

Sollte dein Freibetrag ausgeschöpft sein ist dir also, rein aus steuerlicher Sicht, ein vorerst unversteuerter Kursgewinn lieber als eine zu versteuernde Dividende.

Dividendenstarke Aktien & Dividenden-ETFs

Dividendenstrategie Dividendenstrategien - Dividenden-ETFs und Dividendenaktien

Solltest du interessiert daran sein eine Dividendenstrategie erfolgreich umzusetzen möchte ich dir ein paar Anhaltspunkte für interessante Aktien & ETFs geben.

Dies sind wohlgemerkt keine Kaufempfehlungen, sondern lediglich Inspirationen. Prüfe jede Investition vorher unbedingt selbst.

Tipp: Wenn du lernen willst, wie du erfolgreich in ETFs investierst und dein Vermögen auf Autopilot aufbaust und anlegst, kannst du dich hier gratis für meine 3-teilige ETF-Videoserie eintragen.

ETF: Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield

Dieser ETF besticht vor allem durch seine vergleichsweise günstige Gesamtkostenquote von 0,29% p.a. Er beinhaltet über 1.200 Aktien aus der ganzen Welt, wählt Aktien nach der erwarteten Dividendenrendite aus und gewichtet diese entsprechend ihrer Marktkapitalisierung.

ETF: SPDR S&P Global Dividend Aristocrats

Dieser ETF ist mit 0,45% teurer als der eben genannte, die Kriterien bei der Aktienauswahl haben wir allerdings schon besprechen: Eine beständige oder steigende Dividendenauszahlung für mindestens 10 aufeinander folgende Jahre. Gleichzeitig wird ebenfalls weltweit investiert, jedoch deutlich konzentrierter in nur 100 Aktien.

Diese werden nach ihrer Dividendenrendite gewichtet, sprich: Eine Aktie mit höherer Dividendenrendite hat einen höheren Anteil als eine Aktie mit niedriger Dividendenrendite..

Es gibt noch mehrere ETFs. Wenn du noch nicht weißt, wie du ETFs vergleichst und dir ein komplettes Depot mit ETFs aufbaust, schaue unbedingt in meinem ETF-Meisterkurs vorbei, der im Anschluss an die ETF-Videoserie geöffnet wird.

Deutsche Aktien mit hoher Dividende

Eine kurze Liste dividendenstarker Aktien aus Deutschland, genauer gesagt dem DAX bzw. DivDAX (Stand: Januar 2018, basierend auf der erwarteten Dividendenrendite):

  • ProSieben Sat.1 Media: 6,64%
  • Deutsche Telekom 4,99%
  • E.on: 4,93%
  • Münchener Rück: 4,73%
  • Daimler: 4,73%
  • Allianz: 4,22%
  • BMW: 4,01%

Fazit: Sind Dividendenstrategien sinnvoll – und wenn ja, für wen?

Fazit

Du siehst: Wo Licht ist, ist auch Schatten.

Dividenden sind kein geschenktes Geld und auch nicht der Renditebringer schlechthin, wie sie oft präsentiert werden. Auch kosten- und steuertechnisch können sie, je nach dem, was du vorhast, nachteilig sein.

Genauso kann eine Dividendenstrategie dir aber auch spannende Vorteile liefern: Sie kann deine Kosten- und Steuerlast senken, dir ein regelmäßiges (wenn auch schwankendes) Einkommen bescheren und dir vor allem psychologisch unter die Arme greifen.

Ob und wie eine Dividendenstrategie für dich funktioniert, musst du also selbst und individuell entscheiden.

Bedenke dabei, dass die Wertsteigerung von Dividendenstrategien auch durch andere Strategien, wie bspw. das verwandte Value-Investing erreicht werden kann und die Überschneidung hier groß ist.

Und selbst wenn du heute keine Dividendenstrategie anwendest bzw. die damit verbundenen Ausschüttungen nicht brauchst (so wie es bei mir der Fall ist), kann sie vor allem in der Zukunft interessant sein, wenn es um das Genießen deines (hoffentlich) aufgebauten Vermögens geht.

Dann kann ein zusätzliches Einkommen, neben einer (wenn noch vorhandenen) staatlichen Rente, sehr wert- und reizvoll werden.

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