Das magische Dreieck der Geldanlage
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Das magische Dreieck der Geldanlage

Du willst drei Dinge:

Eine gute Rendite. Ein geringes Risiko. Direkten Zugriff auf dein Geld.

Genau darauf basiert ein grundlegendes Konzept, dass du für deine Geldanlage verinnerlichen musst.

Das magische Dreieck der Geldanlage.

Ich möchte dir zeigen, was dieses Dreieck aussagt und wie du es für deine Geldanlage nutzt.

Die Ecken unseres Dreiecks

Wir setzen an jede Ecke unseres Dreiecks einen Faktor, den wir uns für unsere Geldanlage wünschen.

  1. Die Rendite – je höher, desto besser

Du möchtest für deine Geldanlage eine möglichst hohe Rendite, dein Geld soll sich möglichst schnell vermehren.

Bei ansonsten gleichen Bedingungen würdest du eine 10% Verzinsung einer 5% Verzinsung immer vorziehen.

  1. Die Sicherheit – je höher, desto besser

Du möchtest ein möglichst geringes Risiko bei deiner Geldanlage eingehen, um dein Geld in Sicherheit zu wiegen.

Du würdest bei einer Verzinsung von 10% und ansonsten gleichen Bedingungen die Variante, die dich in jedem Fall zu der 10%-Verzinsung führt, keine Wertschwankungen und kein Ausfallrisiko aufweist einer riskanteren Variante immer vorziehen.

  1. Die Liquidität – je höher, desto besser

Du möchtest möglichst schnell und oft auf dein Geld zugreifen können.

Bei gleicher Rendite und gleichem Risiko wählst du die Geldanlage, die dir schnelleren und spontaneren Zugriff auf dein Geld ermöglicht.

Warum die Börse dir nicht alles schenkt

Banken und findige Finanzberater erzählen dir gerne vom heiligen Gral der Geldanlage: maximale Rendite, minimales Risiko und höchste Liquidität.

Ich habe in diesem Video schon erklärt, warum es nicht möglich ist, die maximale Rendite ohne Risiko zu erreichen.

Denn wie so vieles im Leben herrscht auch an der Börse ein sogenannter Trade-Off: Du musst von dem einen etwas geben, um von dem anderen etwas zu bekommen.

Wir haben also einen Zielkonflikt, den wir lösen müssen – und glücklicherweise auch lösen können.

Du willst mehr Rendite? Dann musst du höheres Risiko und/oder eine schlechtere Liquidität in Kauf nehmen.

Du willst weniger Risiko? Dann musst du eine niedrigere Rendite und/oder eine niedrigere Liquidität akzeptieren.

Du willst höhere Liquidität? Dann musst du eine niedrigere Rendite und/oder ein niedrigeres Risiko verkraften.

Diesen drei Bedingungen unterliegt deine Geldanlage grundlegend immer.

Genau diese Bedingungen siehst du in diesem Dreieck repräsentiert.

dreieck der geldanlage

Du siehst: Du kannst niemals jede Ecke komplett erreichen. Du musst stets einen Kompromiss eingehen.

Du kannst dich also komplett auf einen Punkt fokussieren. Du kannst allerdings auch die goldene Mitte wählen und versuchen, jeder Ecke so nah wie möglich zu kommen.

Wichtig ist vor allem, dass du für dich entscheidest…

  1. Welcher Punkt dir am Wichtigsten ist (was je nach Lebenssituation variieren kann)
  2. Wie du jeden der drei Punkte für dich optimieren kannst

Ich habe ein paar Beispiele für dich, die dir verdeutlichen, wo sich verschiedene Anlageformen einordnen.

Wo ordnet sich deine Geldanlage ein?

Girokonto – jederzeit verfügbar

Ein Girokonto bietet dir kaum Rendite. Die Zinsen, die du erhältst, sind nicht der Rede wert.

Dafür hast du kaum Risiko. Bis 100.000€ werden alle deine Einlagen durch den deutschen Staat gesichert.

Zudem bekommst du die maximale Liquidität: Du kannst dein Geld jederzeit abheben oder direkt von deinem Konto zahlen.

Tagesgeld – täglich verfügbar

Du erhältst eine etwas bessere Rendite als auf dem Girokonto. Beim momentanen Zinsniveau ist es immer noch sehr wenig, in der Regel kann die Verzinsung des Tagesgeldkontos aber durchaus auf über 1% p.a. steigen.

Du trägst immer noch kaum ein Risiko, da deine Einlagen gesichert sind.

Der Unterschied zum Girokonto besteht in der etwas höheren Rendite. Dies wird ausgeglichen, indem du beim Tagesgeldkonto eine geringere Liquidität hast.

Du kannst nicht mehr direkt mit deiner EC-Karte bezahlen und nicht direkt dein Geld abheben, kannst es jedoch durch eine Überweisung immer noch sehr schnell „liquidieren“, also in Bargeld umwandeln.

Festgeld – „Kredit“ an die Bank für festgelegte Zeit

Die Rendite des Festgeldkontos übersteigt die des Tagesgelds.

Das Risiko ist noch immer sehr gering.

Die Liquidität ist hier aber nun ein deutliches Stück geringer. Du gibst dein Geld für eine vorher festgelegte Zeit weg, bspw. 5 Jahre, und kannst während dieser Zeit nicht auf das Geld zugreifen.

Aktien – Anteilseigner am Unternehmen

Aktien bieten dir eine sehr hohe Rendite. Genau das ist der Grund, der Aktien so interessant macht.

Dafür trägst du nun auch erstmals ein deutlich höheres Risiko. Dieses kannst du durch verschiedene Mittel reduzieren und besteht zentral darin, dass du Wertschwankungen auf dich nehmen musst und keine sichere Verzinsung hast.

Die Liquidität von Aktien ist höher als beim Festgeld-, allerdings niedriger als beim Tagesgeldkonto. Aktien sind heutzutage schnell verkauft. Jedoch bietet sich nicht an, Aktien spontan verkaufen zu müssen, weil du auf einmal Geld brauchst – der Kurs könnte sonst wo stehen.

Anleihen – Fremdkapital für Unternehmen und Staaten

Anleihen bieten dir eine niedrigere Rendite als Aktien. Ihre Rendite variiert je nach Risiko.

Das Risiko ist in der Regel geringer als bei Aktien. Anleihen haben eine konkret festgelegte Verzinsung und Fremdkapitalgeber (Käufer von Anleihen) werden im Insolvenzfall eines Unternehmens vor den Eigenkapitalgebern (Käufer von Aktien) ausgezahlt.

Die Liquidität von Anleihen entspricht der Liquidität von Aktien.

Wo bewegst du dich im Dreieck?

Du siehst also: Jede Geldanlage hat irgendwo einen Vor- und einen Nachteil.

Es gibt drei Kriterien, die wir uns für unsere Geldanlage wünschen. Wir werden aber maximal zwei Kriterien zu 100% unter einen Hut bekommen. Niemals alle drei.

Beispiel:

Girokonto: Sicherheit + Liquidität

Aktien: Rendite + Liquidität

Festgeld: Rendite + Sicherheit

Es gibt nichts geschenkt. Zwischen den drei Faktoren Rendite, Risiko und Liquidität besteht immer ein Zielkonflikt.

Demnach könnte man schlussfolgern: Alle Geldanlagen sind gleich gut. Thema beendet.

Aber so einfach ist es nicht. Denn nicht jeder Anleger ist gleich.

Nicht jeder Anleger hat die gleichen Ziele. Nicht jeder Anleger ist bereit, sein Geld für viele Jahre wegzugeben oder höhere Wertschwankungen in Kauf zu nehmen.

Ich zeige dir einmal mein eigenes Dreieck, indem ich zwei zentrale Fragen kläre:

  1. Was will ich erreichen?
  2. Was bin ich bereit dafür aufzugeben?

Mein eigenes Dreieck meiner Geldanlage

Was will ich erreichen?

Ich möchte eine möglichst gute Rendite auf mein investiertes Kapital. Dafür investiere ich in Aktien.

Kurzfristige Ausgaben decke ich durch mein Girokonto, mittelfristige Sicherheiten spare ich auf dem Tagesgeldkonto an.

Was gebe ich dafür auf?

Ich bin bereit, das Risiko im Sinne von Wertschwankungen auf mich zu nehmen. Ein erhöhtes Risiko also.

Das regionale Risiko eliminiere ich, indem ich weltweit investiere.

Das unternehmensspezifische Risiko eliminiere ich, indem ich diversifiziere und in mehrere Unternehmen, z.B. durch ETFs, investiere.

Ich bin außerdem dazu bereit, viele Jahre – 10, 20 und noch länger – auf mein investiertes Kapital zu verzichten: Niedrige Liquidität.

Die hohe Liquidität auf meinem Giro- und Tagesgeldkonto bezahle ich mit einer niedrigen Rendite.

So sieht das Dreieck meiner Geldanlage im Groben aus: Aktien für die Rendite, Giro- und Tagesgeld für die Liquidität.

Mein Dreieck tendiert stark zu den Punkten, die für Rendite sorgen sollen. Nichtsdestotrotz wahre ich das nötige Maß an Liquidität und versuche das Risiko soweit wie möglich zu reduzieren.

Das ist aber natürlich nur eine Variante, die für mich zutrifft und zu mir passt. Jede Geldanlage muss einen individuellen Zweck verfolgen.

Wo befindest du dich in diesem Dreieck? Worauf legst du am meisten wert? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

Jannes Lorenzen
 

Hey, ich bin Jannes. Privatanleger, Rebell und Gründer dieser Webseite. Hier führe ich eine Rebellion gegen Niedrigzinsen, finanzielles Unwissen und schlechte Anlageentscheidungen. Wissenschaftlich fundiert, faktenorientiert und leicht verständlich. Herzlich Willkommen!

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