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Crash-Propheten: 13 Kritikpunkte, wie Crash-Prognosen deiner Geldanlage schaden

zuletzt aktualisiert: 7. Oktober 2020

von Jannes Lorenzen
Investor, Ökonom und Gründer

Dirk Müller, Max Otte, Markus Krall, Friedrich und Weik – und einige mehr. Sie alle gelten als „Crash-Propheten“.

Sie beschäftigen sich in ihren Inhalten – Videos, Büchern und Beiträgen – nahezu ausnahmslos mit Crash-Szenarien, Risikoanalysen, Warnungen und Prognosen über die Zukunft der Finanzmärkte.

Sie polarisieren – und haben damit aus Marketingsicht Erfolg: Ihre Bücher werden zu Bestsellern, ihre Videos hunderttausendfach geklickt und viele Millionen Euros in ihre Fonds investiert. Die Anhänger scheinen sie fast sektenartig zu verehren, wenn man sich die YouTube-Kommentare anschaut.

Es ist lange bekannt, dass Crash-Szenarien und die daraus resultierende Angst ein guter Verkaufshebel ist. Es wäre aber zu einfach, die dahinterstehenden Argumente als Marketingtrick wegzuwischen.

Die Frage ist deshalb: Was steckt wirklich dahinter?

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Ich habe mich lange mit diesen Theorien und Personen, aber auch mit der Gegenseite beschäftigt. Ich bekomme die Wahrnehmung und Fragen vieler Anleger seit Jahren mit und hatte auch schon „interessanten“ persönlichen Kontakt mit einer der erwähnten Personen – was dort vorgefallen ist, verrate ich dir gleich.

Und ja, ich sehe einige gute Aspekte. Ich sehe aber viele kritische Punkte, die in den Kreisen der Crash-Anhänger gänzlich ignoriert werden und – gerade für Anfänger – enorm schädliche, kaum hinterfragte Aussagen. Deshalb zeige ich dir heute: 13 Kritikpunkte an den Thesen der Crash-Propheten.

Wenn du dem zustimmst, noch weitere Punkte hast oder etwas anders siehst: Schreib es gern in die Kommentare.

Bevor wir in die einzelnen Punkte gehen, ist mir eins wichtig: Eine gemeinsame Diskussionsgrundlage.

Die 4 Grundsätze für die Kritik

Ein paar Punkte vorab, sowohl an die Anhänger der Crash-Propheten, deren Kritiker und jeden Anleger, der irgendwo zwischen diesen beiden Lagern steht:

#1 - Um wen geht's überhaupt?

Der Begriff Crash-Propheten ist bei den Beteiligten sicherlich nicht besonders beliebt, aber in meinen Augen erstmal zutreffend.

Es sind die Börsengurus, die nicht nur einmal, sondern wiederholend den Crash prognostizieren und in einem Großteil ihrer medialen Zeit darüber sprechen, wann, wie und warum es zu einem Crash kommen wird.

Dabei geht es meistens nicht nur darum, dass einige Aktienmärkte vorübergehende Korrekturen erleben werden, sondern das gesamte Wirtschaftssystem, der Euro oder sogar der gesamten Welt aus den Angeln gehoben wird.

Es ist deutlich mehr als normale Hinweise auf Risiken von Ökonomen oder pessimistische Meinungen, die an der Börse immer wieder normal sind.

In diesem Kreis gibt es einige populäre Beispiele: 

  • Dirk Müller: Auch als Mr. DAX bezeichnet. Fondsmanager und Autor mehrerer Bücher ("Machtbeben", "Crashkurs", "Cashkurs", "Showdown"). Auf YouTube dominieren von ihm politische Themen, u.a. mit Schlagzeilen und Aussagen wie "So zockt die Hochfinanz jetzt ab", "Dieser Crash ist gewollt" und "So schlimm wird es noch - und wer dahinter steckt".
  • Max Otte: Fondsmanager und Buchautor ("Weltsystem Crash", "Der Crash kommt", "Investieren statt sparen").
  • Markus Krall: Vorstand der Degussa Goldhandel GmbH und ebenfalls Buchautor ("Der Draghi-Crash", "Verzockte Freiheit", "Die bürgerliche Revolution").
  • Friedrich und Weik: Vor allem bekannt durch ihre Bücher ("Der Crash ist die Lösung", "Der größte Raubzug der Geschichte", "Der größte Crash aller Zeiten").

Es gibt noch weitere, die sich an den gleichen Thesen bedienen oder diese leicht abgeschwächt wiederholen. Die Kritikpunkte, die ich dir hier zeige, zielen im Kern auf die genannten Crash-Propheten, treffen aber oft auch auf viele weitere Gurus in dem Umfeld zu.

#2 – Wir sind uns in einigen Punkten ähnlicher als wir denken

Denn in der Sache sind wir uns alle einig: Es ist wichtig, sich mit der Geldanlage zu beschäftigen und dabei Chancen und Risiken abzuwägen und klug darauf zu reagieren.

Es gibt Fußballfans, die sich untereinander hassen, weil sie rivalisierende Vereine unterstützen. Für Außenstehende ist aber schnell ersichtlich, dass beide Seiten mit ihrer Liebe zum Fußball und der Unterstützung eines Vereins sich ziemlich ähnlich sind.

Die einen unterstützen im Fußball Dortmund, die anderen Schalke. Die einen nutzen Android, die anderen Apple. Die einen lieben ihren VW, die anderen ihren BMW. Die einen schwören auf Pall Mall Zigaretten, die anderen auf Marlboro. Untereinander verachten sich viele dieser Gruppen, objektiv betrachtet sind sie sich aber sehr ähnlich.

Deshalb, bei allen Kritikpunkten und gegensätzlichen Ansichten: Vergiss nicht, dass wir (fast) alle grundlegend in die gleiche Richtung wollen.

#3 – Problemanalyse vs. Schlussfolgerung und Auswirkung der Analyse

Die Analyse der sogenannten Crash-Propheten kann durchaus einen wahren Kern treffen. Teilweise werden sie unterhaltend vorgebracht und liefern zumindest ein pessimistisches von mehreren Szenarien. Die Schlussfolgerungen aus den Analysen des Status Quo und die Wirkung davon auf Anleger sind aber meist die falschen.

Nur, weil man Crash-Propheten kritisiert, heißt es nicht, dass jedes Element der Analyse falsch ist. Tatsächlich stimme ich in der Problemanalyse oft überein. Kritischer sind (a) die Prognosen, die darauf basierend getroffen werden, (b) die Dinge, die nicht gesagt werden und (c) die Nachricht, die gerade bei unerfahrenen Anlegern ankommt.

Auf diese drei Aspekte werden sich auch die meisten der gleich folgenden Kritikpunkte beziehen.

#4 – Politische Ansichten & Verschwörungen

Einige der Crash-Propheten haben eine starke Nähe zu bestimmten politischen Lagern mit teilweise stark kritisierten Thesen. Das ist nicht verwunderlich, denn die Crash-Prognosen werden schnell – von den Börsengurus oder ihren teilweise fanatischen Anhängern – mit einer Verschwörung der Eliten, Politiker oder wem auch immer verknüpft.

Von den meisten dieser Thesen halte ich nichts. Aber: Das möchte ich von den Thesen, die auf die Geldanlage bezogen sind, trennen.

Hier geht es um die Finanzmärkte, die nicht 1:1 identisch sind mit der Wirtschaft und langfristig nur sehr lose mit der Politik zusammenhängen.

Hier geht es außerdem um einen Austausch von Argumenten, nicht das Diskreditieren von Personen aufgrund unterschiedlicher Ansichten durch „ad hominem“ Scheinargumente. Das gehört zu einem fairen, sachlichen Austausch.

Außerdem werde ich es nicht schaffen, Menschen inhaltlich zu überzeugen, deren Weltansicht darin besteht, dass alles angeblich immer schlechter wird. Mit dieser Einstellung ist es nicht verwunderlich, dass immer ein Crash erwartet wird.

Also: Hier geht es ums Fachliche und nie um persönlichen Wertungen einzelner Personen.

13 Kritikpunkte an den Crash-Propheten

Kommen wir nun zu den Kritikpunkten. Über einzelne dieser Punkte kann man sicherlich streiten, lass daher gern deine Meinung dazu gern als Kommentar dar.

Wichtig ist es, diese in ihrer Gesamtheit zu sehen. Sie beleuchten einzelne Facetten - die Rhetorik, die Inhalte, die psychologischen Trigger - und ergeben in der Gesamtheit ein Bild, das 

#1: Crash-Prognosen gehen reihenweise daneben

Ich habe hier schon 2017 Aussagen der Crash-Propheten gesammelt und einige davon zeitlich am Kursverlauf der globalen Aktienmärkte angeordnet:

Crash-Propheten: 13 Kritikpunkte, wie Crash-Prognosen deiner Geldanlage schaden

Ein Auszug der Prognosen:

  • Dirk Müller, 2009 (Buch "Crashkurs"): "Aktien und Aktienfonds gehören in diesen unsicheren Zeiten einfach nicht ins Depot."
  • Max Otte, 2011: "In den nächsten zwei Jahren wird es einen dicken Knall geben, vielleicht aber auch schon relativ bald!"
  • Dirk Müller prognostiziert 2011, dass den Finanzmärkten in spätestens 3 Jahren der Kollaps drohe. "Es ist fünf vor zwölf – und dieser Crash wird schlimmer als jener vor drei Jahren." Den Euro wird es seiner Ansicht nach in 5 Jahren ebenfalls nicht mehr geben.
  • Dirk Müller, 2012: "Die Wahrscheinlichkeit eines Crashs liegt bei 60 Prozent!"

Von Dirk Müller, der 2009 stark von Aktien abgeraten hat (und danach auch immer wieder) über "Mr. Doom" Marc Faber bis hin zu Max Otte und anderen Ökonomen sind viele medial präsente Börsengurus dabei. Auch nach diesem Zeitraum gab es fleißig weiter Crash-Prognosen, die immer wieder daneben gingen.

Nicht, weil es nie einen Crash hätte geben können, sondern weil ein Crash nicht prognostizierbar ist. Genauer gesagt: Märkte sind in beide Richtungen nicht prognostizierbar. Die klare Studienlage dazu und die genaueren Gründe für dieses Scheitern besprechen wir gleich. Außerdem gehe ich auch auf das häufigste Gegenargument ein, nach dem alle Prognosen richtig gewesen wären, wenn es die expansive Geldpolitik der Notenbanken nicht gegeben hätte.

Dazu kommen nicht nur Prognosen über den Crash, sondern auch (bspw. hier nachzulesen) über enorm hohe Inflationsraten, Staatspleiten, Geldsysteme, Währungsreformen und mehr. Meistens wird sich dabei auf den Euroraum bezogen. Eingetreten ist von all dem bis heute nichts.

Was die Analyse faktenbasiert zeigt: Der Großteil dieser Prognosen liegt völlig daneben. Anleger, die darauf gehört hätten, hätten teilweise einen über 10-jährigen Bullenmarkt bei Niedrigzinsen verpasst.

Ebenfalls interessant ist eine kleine Diskussion mit dem ebenfalls aufgeführten Max Otte, die unter dem dazugehörigen Video entstanden ist:

Diskussion mit Max Otte (aufklappen)

Hinweis: Andere Kommentare habe ich auf dem Bild ausgeblendet. Im Nachhinein konnte außerdem validiert werden, dass es sich um einen echten Account handelte.

Crash-Propheten: 13 Kritikpunkte, wie Crash-Prognosen deiner Geldanlage schaden

In Kurzform:

  • Max Otte behauptet, ich hätte seinen Namen "nur aus Werbezwecken" im Videotitel, da er sich nicht im Video gesehen hätte. Außerdem behauptet er, dass er immer bullish gewesen sei. Die Notenbankpolitik sei nicht vorhersehbar gewesen. (Anmerkung: Das Argument verstehe ich leider nicht, da das ja eher ein Grund wäre, warum er skeptisch gewesen sein müsste und nicht 10 Jahre lang bullish.)
  • Ich weise ihn darauf hin, dass am Anfang des Videos eine 1:1 Aussage von ihm im Video ist. Ich zitiere aus der Originalquelle und verlinke das entsprechende Video. Außerdem weise ich auf weitere Aussagen hin, die ich ebenfalls hätte zitieren können.
    Bspw. seinen falschen Hinweis aus 2009, nachdem Menschen ihre Euroscheine mit bestimmten Kürzeln schnellstmöglich umtauschen sollten, da diese wertlos seien. Außerdem gab es weitere Crash-Prognosen, nach denen es in der Amtszeit von Trump crashen wird, der Euro platzen wird etc.
  • Max Otte ist sauer, dass der Titel des damaligen Videos, aus dem ich zitiert habe, so gewählt wurde. Die Geschichte der Euroscheine hätte er außerdem sofort richtiggestellt.
  • Ich weise ihn darauf hin, dass der Titel ein wörtliches Zitat aus demselben Video von ihm 1:1 wiedergibt und ich damit nicht den Titel, sondern seine Aussage wörtlich zitiert habe.

Die Bewertung dessen überlasse ich dir. Es tauchen hier aber viele Phänomene auf, die wir immer wieder beobachten können, wie du gleich sehen wirst.

Die Fakten zeigen: Die Crash-Prognosen liegen meistens daneben, in den letzten Jahren sogar noch häufiger als davor. Warum es trotzdem so wirken kann, als dass die Crash-Propheten mit ihren Prognosen recht behalten? Das erklärt Kritikpunkt #2.

#2: Der Crash-Prophet hat immer Recht

Es gibt ein paar Tricks, mit denen jeder – ohne irgendeine Qualifikation oder hellseherische Gabe zu besitzen – den Anschein erwecken kann, treffende Prognosen an den Finanzmärkten zu liefern.

Die drei beliebtesten Tricks (bitte nicht nachmachen!):

Trick 1: Einen möglichst langen Zeithorizont wählen

Wenn du in 2025 sagst, dass es 2029 crashen wird, hast du die Wahrscheinlichkeiten auf deiner Seite: Die statistische Chance ist hoch, dass bis dahin tatsächlich ein Crash kommt.

Wenn der Crash vorher kommt, ist das kein Problem: Du sagst einfach, dass die von dir prognostizierten Entwicklungen sogar noch schneller kamen als erwartet.

Aber was ist, wenn der Crash nicht bis dahin eintreten sollte? Hier kommt der zweite Trick ins Spiel.

Trick 2: Falsch liegen ist nicht möglich

Wenn es nicht zum Crash kommt, heißt das natürlich nicht, dass du falsch liegst. Diese Möglichkeit scheint es bei Crash-Prognosen nicht zu geben.

Es zeigt viel mehr, dass du Recht hattest, aber dunkle Mächte am Werk sind (wahlweise Politiker, Notenbanker, die "Eliten", Rothschilds etc. müssen dafür herhalten), die alles noch viel schlimmer machen und den Crash hinauszögern.

Daniel Eckert formuliert es so:

"Ein Astronom, der eine Sonnenfinsternis vorhersagt, die dann aber gar nicht stattfindet, wäre vermutlich schnell seinen Job los.

Bei Crash-Propheten ist das anders. Das Nichteintreffen ihrer Prognosen scheint eher noch die Aura zu verstärken, die sie umflort.

Gemäß dem Motto: Da muss noch viel mehr faul sein im Staate, wenn es trotz guter Gründe nicht crasht!"

"Nur die Notenbanken haben den Crash verhindert"

Auch das bereits erwähnte Argument, die ganzen Crash-Prognosen seien eingetreten, wenn die Notenbanken nicht den Geldhahn aufgedreht hätten, ist recht absurd und eigentlich eines der besten Argumente gegen Crash-Prognosen.

Ja, die Geldpolitik hat und hatte natürlich einen Einfluss und berechtigte Risiken, die daraus hervorgehen. Ökonomen streiten darüber, wie groß der Einfluss tatsächlich ist. Ganz unabhängig davon:

Diese Prognosen wurden in dem Wissen getroffen, dass es nicht vorhersehbare Ereignisse an den Finanzmärkten gibt. Wie kann dann im Nachhinein als Ausrede genutzt werden, dass es zu unvorhergesehenen Ereignissen kam?

Genau diese Unvorhersehbarkeit ist ja eben der Grund, warum diese Prognosen nicht möglich sind und gar nicht erst gemacht werden sollen. Wie daraus ein Argument für Crash-Prognosen gemacht werden kann, ist mir schleierhaft. Vor allem auch deshalb, da niemand wissen kann, ob es ohne Geldpolitik tatsächlich zu einem Crash gekommen wäre - es ist reine Spekulation.

Ah, apropos Crash... Kommen wir zum dritten Trick.

Trick 3: Halte offen, was du mit Crash meinst

Niemand weiß eigentlich genau, was mit Crash gemeint ist. Sprechen wir über Aktienmärkte oder Immobilienmärkte? Über Wechselkurse? Welche Regionen? Über Einkommens- oder Arbeitslosigkeitsentwicklungen? In welcher Höhe?

All diese Fragen lässt du offen. Irgendein Ereignis lässt sich anschließend immer finden, dass entweder der von dir prognostizierte Crash ist oder stark auf diesen hindeutet.

So absurd das alles klingen mag: Diese Argumentation wird tatsächlich von den Propheten selbst, aber auch deren Anhängern immer wieder genutzt. Von Einsicht ist leider oft wenig zu sehen.

#3: Track Record: Schlecht im Crash

Nehmen wir mal an, es kommt zum Crash - wann und auf welche Art und Weise auch immer. Dann sollte ja die Stunde für die Crash-Propheten schlagen, die den Crash erwarten und ihre Fonds dementsprechend aufgestellt haben. Nicht zuletzt verlangen sie saftige Gebühren auf das verwaltete Vermögen (was u.a. dazu führt, dass der Großteil der aktiv gemanagten Fonds schlecht abschneidet und nur für die Fondsmanager selbst ein lohnendes Konstrukt ist).

Da gibt es den Friedrich & Weik Wertefonds von den Buchautoren Marc Friedrich und Matthias Weik, den Max Otte Vermögensbildungsfonds und den Dirk Müller Premium Aktien Fonds.

Im Corona-Crash war es soweit: Die Gurus konnten sich beweisen und den Rest des Marktes hinter sich lassen.

Was war das Ergebnis laut Börse ARD?

  • Friedrich & Weik Wertefonds: "Perspektivisch soll der Werterhalt auch durch Investments in Diamanten oder Wald umgesetzt werden. [...] Seit Ende Februar hat der Wertfonds rund 15 Prozent an Wert verloren. Die Gesamtrendite seit dem Start 2017: Minus zehn Prozent.
  • Max Otte Vermögensbildungsfonds: "Auch Wirtschaftsprofessor Max Otte ist als Crash-Prophet und Star-Autor (Weltsystem Crash) seit langem populär. [...] Der Crash hat den Fonds dennoch zuletzt ebenfalls zerrupft: Binnen eines Monats hat er rund 15 Prozent eingebüßt. Auch die Fünf-Jahres-Bilanz ist nun leicht negativ."
  • Dirk Müller Premium Aktien: "Der ehemalige Börsenhändler Dirk Müller, der inzwischen als Bestseller-Autor (Crashkurs, Macht beben) Erfolge feiert, zeigt mit seinem Aktienfonds dem Börsencrash die kalte Schulter. Dank der Absicherungsstrategie, die Müller über Derivate in seinem Fonds nutzt, hat dieser auf Sicht eines Monats sogar leicht zugelegt. [...] Trotz der Krisenresistenz in den vergangenen Wochen lässt freilich die Gesamtperformance noch zu wünschen übrig. Seit dem Fondsstart vor fünf Jahren hat das Produkt praktisch keine Rendite erzielt."

Ehrlicherweise hätte ich allein zufallsbedingt ein besseres Ergebnis erwartet als das, was die Fonds dann tatsächlich geliefert haben.

Friedrich & Weik haben im Crash 20 % verloren, Max Otte 25 % (hier habe ich übrigens schon mal beschrieben, wie Max Otte seine Fondsperformance besser aussehen lässt). Dirk Müller ist unbeschadet durch den Crash gekommen, hat danach allerdings ca. 10 % verloren, als die globalen Börsen schon wieder gestiegen sind. Absicherung verhindert eben nicht nur Risiko, sondern auch Rendite (mehr dazu in Kritikpunkt #8).

#4: Zielkonflikt: Crash-Prognosen als Geschäftsmodell

Zielkonflikte sind bei Finanzen schwierig und an vielen Stellen vorhanden. Bei einem Zielkonflikt gibt es zwei Parteien, die unterschiedliche und sich im Weg stehende Ziele haben.

Beispiel: Der Finanzberater, der eine umso höhere Provision bekommt, je teurer das Produkt ist, das er dir verkauft. Oder die Bank, die am meisten verdient, wenn du viel und teuer handelst, auch wenn es für dich nur zu Kosten führt.

Und auch die Crash-Prognosen haben diese Zielkonflikte: Viele davon haben eigene Fonds, die als Lösung verkauft werden für den Crash, der ständig selbst ausgerufen wird. Andere (bspw. Markus Krall) sitzen im Vorstand eines Goldhändlers und empfehlen Gold als Krisenwährung.

Nur weil ein Interessenskonflikt vorliegt heißt das wohlgemerkt nicht, dass eine Aussage nicht stimmt.

Beispielsweise kann auch jemand, der sich vegan ernährt, ein veganes Kochbuch rausbringen. Den Vorwurf, hier würde jemand nur aus finanziellen Interessen eine vegane Ernährungsweise propagieren, würde wohl kaum jemand ernstnehmen.

Aber wenn du weißt, dass Interessenskonflikte vorliegen, solltest du umso vorsichtiger sein. Umso stärker die finanziellen Interessen, desto stärker kann auch das, was als eigene Meinung verkauft wird, ins reine Marketing abdriften.

Zumal es auch andere Meinungen von Experten gibt, die nicht solchen Interessenskonflikten unterliegen. Die keinen finanziellen Nutzen daraus ziehen, ob sie glauben, dass es crasht oder dass es nicht crasht.

#5: Uneinigkeit in den Ratschlägen

In den Ursachen und der Konsequenz, nämlich einem Crash, sind die meisten dieser Börsenexperten sich einig. Spannend ist aber, dass die Ratschläge, um damit umzugehen, ziemlich unterschiedlich sind.

Gerd Kommer hat sich genau diesen Punkt genauer angeschaut. Er sagt dazu:

"Das Erstaunliche ist, dass die [Bücher der Crash-Propheten] zwar in der Beschreibung der Defizite - Verschuldung, Zombie-Unternehmen, Regierungen, die nicht mehr den Bürgerwillen korrekt reflektieren usw. - da sind sie alle vergleichsweise homogen und überlappen sich sehr stark, teilweise nahezu identische Thesen und Beschreibungen. Aber bei den Anlageempfehlungen divergieren die vier sehr stark. Es gibt ein oder zwei Kleinigkeiten, die sich die vier teilen. [...] Es gibt auch sehr fundamentale Aussagen und Empfehlungen in Bezug auf Geldanlage im Crash, die sich diametral, also 180 Grad entgegengesetzt, gegenüberstehen."

Wo sie sich einig sind: Nicht-börsennotierte Unternehmen sowie Immobilien in Deutschland sind eine schlechte Idee.

Wo sie sich uneinig sind: Einige halten die Kryptowährung Bitcoin für die Lösung, Dirk Müller bezeichnet diese als "Betrug". Für einige sind Bankguthaben okay, für andere ein enormes Risiko. Friedrich und Weik sagen die Insolvenz der USA (seit 2012) voraus, andere sehen v.a. dort Investmentchancen.

Interessant ist außerdem, dass jeder der Crash-Propheten auch in Aktien investiert. Das ist deshalb wichtig, da viele Einsteiger sich von den Crash-Propheten verunsichern lassen und glauben, Aktien meiden zu müssen. Dabei sind Aktien, also Unternehmensbeteiligungen, selbst in den Fonds aller Crash-Propheten.

#6: Falscher Fokus

Die Crash-Propheten sprechen fast ausschließlich über Risiken und die damit verbundene Crashgefahr.

Schauen wir uns die Entwicklung der Aktienmärkte an, können wir feststellen, dass die Kurse in etwa 70 % aller Jahre steigen und in 30 % der Jahre fallen. In 100 % der Jahre sprechen Crash-Propheten aber über den Crash. Sie tun es nicht nur dann, wenn wirklich ein Crash ansteht, sondern immer.

Es ist wichtig zu verstehen, dass es nicht nur Risiken gibt, wenn die Gurus drüber sprechen, sondern es immer Risiken gibt und es zu Rückschlägen an der Börse oder in der Wirtschaft kommen kann. 

Andere Experten, die nicht ständig vor Crashs und Risiken warnen, sind nicht "blind" oder "verschließen ihre Augen vor den Risiken". Sie wissen schlichtweg, dass es immer Risiken gibt und es nichts bringt, sich deswegen alle paar Monate verrückt zu machen.

Ein Depot sollte nicht nur dann auf Risiken vorbereitet werden, wenn irgendein Guru vorm Crash warnt, sondern immer.

Durch die ständige Hervorhebung der heutigen Risiken wird ein Bild erzeugt, das verzerrt ist: "Heute ist alles viel schlimmer als früher - pass also auf!"

Dass viele Menschen das glauben, liegt nicht am Wahrheitsgehalt, sondern vor allem daran, dass wir die Risiken der Vergangenheit, die nicht zu einem Crash geführt haben, ziemlich gut verdrängen können und wir sie einfach vergessen haben. Dabei war auch die Vergangenheit voll von Risiken, von denen einige wenige zu Crashs geführt haben:

Crash-Propheten: 13 Kritikpunkte, wie Crash-Prognosen deiner Geldanlage schaden

Auch Warren Buffett, der als erfolgreichster Investor unserer Zeit gilt, betont immer wieder, dass er nichts von solchen Versuchungen hält, den Markt vorherzusehen oder sich auf kurzfristige Risiken zu fokussieren:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

#7: Risikovermeidung ist Renditevermeidung

Es gibt ein simples, aber mächtiges Gesetz an der Börse: Rendite und Risiko hängen zusammen.

Wer bereit ist, mehr (kluge) Risiken einzugehen, wird im Durchschnitt mit einer höheren Renditerwartung belohnt. Das Konzept erkläre ich u.a. hier ausführlicher.

Es darf nie das Ziel sein, sämtliche Risiken zu vermeiden. Wenn du das versuchst, bleibt dein Geld auf dem Sparbuch oder unterm Kopfkissen und wird von der Inflation stetig entwertet.

Die Rendite, die du durch Aktien erzielen kannst, ist eine Risikoprämie: Dadurch, dass du Risiken und Wertschwankungen (und auch Crashs) auf dich nimmst, kannst du im langfristigen Durchschnitt eine höhere Rendite erwarten als die Sparer, die das nicht tun.

"Börsengewinne sind Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld." - André Kostolany

Es klingt toll, wenn Experten davon sprechen, welche Absicherungsstrategien sie vornehmen, mit denen sie die Schwankungen reduzieren und Crashs umschiffen, während alle anderen ungebremst bergab fahren.

So eine Strategie kann Risiken durchaus senken, aber wird im langfristigen Durchschnitt auch eine niedrigere erwartete Rendite liefern, da es die meisten Absicherungsmethoden (außer Diversifikation) nicht umsonst gibt.

Dann ist fraglich, ob es dem Anleger hilft. Ein Beispiel dazu (Zahlen nicht exakt, da es ums grundlegende Konzept geht):

Anleger A investiert sein Geld 2010 breit gestreut und langfristig, ignoriert dabei die Crash-Prognosen, die jedes Jahr den Crash kommen sehen. 2020 kommt es tatsächlich zum Crash. Anleger B investiert in die Absicherungslösung seines Lieblingsexperten.

Anleger A erlebt eine Wertsteigerung von 10.000€ auf 25.000€, also +150 %. Im Crash verliert sein Depot 30 %, landet also bei 17.500€.

Anleger B erzielt über die zehn Jahre kaum Rendite (wie in den besprochenen Fonds zu sehen). Er landet aber immerhin von 10.000€ bei 15.000€. Nun kommt es zum Crash und seine Absicherungslösung zahlt sich aus: Der Fonds verliert nur 5 %. Am Ende stehen ca. 14.000€ zu Buche.

Dieses Beispiel soll zeigen: Absicherung gibt es nicht umsonst. Wer im Crash weniger verlieren will, wird in den anderen Phasen höchstwahrscheinlich weniger gewinnen. Je länger investiert wird, desto stärker profitiert der Anleger, der dauerhaft auf steigende Aktienkurse setzt.

#8: Finanzmärkte sind kein Dominospiel

Oft wird in der Herleitung des Crashs eine Verkettung an Umständen beschrieben, die wie Dominosteine logisch und ohne Probleme hintereinander umfallen. Es scheint keinen anderen Ausweg zu geben, als zu crashen, genau wie der erste Dominostein zum Umfallen des nächsten führt.

Es wird also von einem statischen System ausgegangen, in welchem jeder Schritt vorhersehbar ist.

In der Praxis hat das wenig mit der heutigen Wirtschaft zu tun: Unzählige Faktoren wirken dynamisch aufeinander ein. Zinssätze, Geldmenge, Inflation, Produktivität, Politik, Erwartungen und mehr. Nicht zuletzt auch unvorhersehbare Ereignisse wie Terroranschläge oder die Corona-Pandemie.

Selbst wenn also ein Risiko erkannt wird (was erstmal nichts Ungewöhnliches ist, siehe #7), ist noch überhaupt nicht klar, welche Auswirkungen dieses Risiko hat.

Aus der Süddeutschen Zeitung dazu:

„Der Haken bei der Sache ist, dass die Probleme in einem ansonsten statischen System dynamisch wachsen“, sagt der Münchner Fondsmanager Andreas Beck, der sich viel mit den Untergangsszenarien beschäftigt hat. Die Autoren wählten Daten einseitig aus, überinterpretierten diese und nähmen stets an, dass Politik und Wirtschaft darauf keinen Einfluss nehmen können. Deshalb eskalieren die Probleme. „Die Diagnose ist richtig, die Schlussfolgerungen sind falsch“, sagt Beck.

Genau das zeigt auch wieder das Problem der Prognosen der letzten Jahre: Sie lagen allesamt falsch, nennen dafür aber die Geldpolitik als Grund. Selbst wenn es so ist, ist genau diese nicht vorhersehbare Auswirkung der Grund, warum diese Prognosen so wenig Mehrwert bringen.

#9: Der Glaube ans Market Timing

Das Market Timing bezeichnet den Versuch, durch gezieltes Ein- und Aussteigen einen Vorteil zu erlangen, die Marktbewegungen also vorherzusehen.

Wer einen Crash prognostiziert versucht sich also automatisch am Market Timing. Es geht immer wieder darum, ob die Märkte nun steigen oder fallen werden. Das machen allerdings nicht nur Crash-Propheten, sondern auch viele andere Börsenmedien.

Dirk Müller bewirbt seinen Fonds immer wieder damit, dass vor einem drohenden Crash die Absicherung hochgefahren wird, um diese danach wieder aufzugeben und von den steigenden Kursen ebenfalls vollumfänglich zu profitieren. Er muss also ein absoluter Experte im Market Timing sein, um diese Zeitpunkte zu erkennen und zu nutzen.

Dabei ist die Meinung unter Finanzwissenschaftlern und den erfolgreichsten Anlegern zum Market Timing ziemlich klar: Es ist nichts als Zeitverschwendung.

Die Gründe dafür habe ich hier ausführlicher diskutiert. In Kurzform:

  • Risiken sind in den Aktienkursen enthalten. Ein Risiko zu identifizieren reicht also nicht, denn wenn es entsprechend in den Aktienkursen berücksichtigt ist, ist es kein Informationsvorteil mehr.
  • Es gibt keinen wissenschaftlich stichhaltigen Nachweis für dauerhaft überlegene Strategien, die Crashs konsequent vermeiden oder für Personen oder Indikatoren, die Marktentwicklungen konsistent vorhersehen
  • Market Timing verursacht hohen Zeitaufwand, Kosten und steuerliche Nachteile.
  • Zahlreiche namhafte Experten sprechen sich gegen Market Timing aus.

Ein paar Zitate dazu:

"Ich habe nie jemanden gekannt der konsistent den Markt timen konnte. Und ich habe nie jemanden gekannt, der jemanden kannte, der den Markt konsistent timen konnte." - Burton Malkiel, Ökonom, Wirtschaftsprofessor und Autor des Investmentklassikers "Random Walk Down Wall Street"
"Menschen, die denken, dass sie die kurzfristigen Bewegungen des Aktienmarktes vorhersehen können - oder auf Menschen hören, die darüber sprechen - machen einen großen Fehler." - Warren Buffett
"Der einzige Wert von Aktien-Prognosen liegt darin Märchenerzähler gut aussehen zu lassen." - Warren Buffett
"Immer wenn ein Analyst den Anschein erweckt zu wissen, worüber er redet, denke daran, dass Schweine fliegen können bevor er jemals eine komplette Liste seiner bisherigen Vorhersagen, inklusive der Fehlschläge, veröffentlichen wird." - Jason Zweig, Finanz- und Wirtschaftsjournalist, renommierter Autor im Bereich der Verhaltens- und Neuroökonomie
"Nur Lügner schaffen es immer in schlechten Zeiten draußen und in guten Zeiten drin zu sein." - Bernard Baruch, Finanzier, Börsenspekulant, Politikberater und Philanthrop
"Ein Jahrzehnt von Ergebnissen wirft kaltes Wasser auf die Vorstellung, dass Strategen irgendeine spezielle Gabe zum Timen der Märkte besitzen." - The Wall Street Journal

#10: Meinung ≠ Fakten

Es gibt einen großen Unterschied zwischen einer Meinung und einem Fakt. "Ich glaube, es ist so" ist etwas anderes als "Es ist so".

Gerade in der dynamischen Wirtschaft und an den Kapitalmärkten wissen wir nur sehr wenig über die Zukunft genau. Gerade deshalb sind Annahmen, die konkrete Ereignisse in der Zukunft betreffen, immer mit einer hohen Unsicherheit behaftet.

Hier sollte es also nur Meinungen geben. Die Börsenexperten stellen sie aber gern als feststehenden und unumstößlichen Fakt dar (u.a. an den Aussagen zu sehen, die ich unter #1 gezeigt habe).

Ein "Ich weiß nicht, was passieren wird" hört man selten. Eine Abwägung von Pro und Contra, von Chancen und Risiken, von Positivem und Negativem ebenso selten. Dabei ist es gerade das, was der Realität entspricht.

Was zu oft außen vor bleibt: Bei all den Thesen, die unterschiedliche Themenkomplexe behandeln, gibt es auch viele andere namhafte Meinungen. Nur weil diese nicht medial die gleiche Aufmerksamkeit bekommen, heißt es nicht, dass diese weniger fundiert sind - eher im Gegenteil.

Es gibt unter Ökonomen Diskussionen um die Target2-Salden und die Auswirkungen. Es ist unklar, ob die Zentralbanken den Staaten theoretisch auch Schulden erlassen könnte. Über die Auswirkungen der Geldpolitik streiten Ökonomen seit Jahrhunderten.

Klar ist: Es gibt in der Realität eine Diskussion und unterschiedliche Meinungen. Es gibt nicht den Konsens, der von vielen Crash-Propheten suggeriert wird.

Neben den Nachweis immer wieder falschen Prognosen, die dann einfach verschoben oder auf ein "unvorhersehbares Ereignis" geschoben werden, gibt es auch abseits dessen zahlreiche falsche Aussagen:

  • Faktencheck bei Dirk Müller  (v.a. in Bezug auf seine politischen Aussagen)
  • Faktencheck bei Markus Krall (u.a. mit aus dem Kontext gerissenen Zitaten und Zahlen). Außerdem schreibt die Süddeutsche: "Krall geht davon aus, dass die deutschen Banken zusammenbrechen, weil 15 Prozent aller Firmen faktisch insolvent seien. Er beruft sich auf eine Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, nach der die Zahl von Zombiefirmen, die drei Jahre in Folge Verluste schreiben, binnen 20 Jahren von zwei auf 15 Prozent gestiegen ist. Die Studie berücksichtigt jedoch nur börsennotierte Nicht-Finanzunternehmen - 0,5 Prozent aller Firmen. Das KfW-Mittelstandspanel, das fast 100 Prozent aller Unternehmen betrachtet, kommt zu einem anderen Schluss: Umsatzrendite und Eigenkapitalquote sind deutlich gestiegen, die Verluste gesunken."
  • Friedrich und Weik schreiben in ihrem Buch (Der größte Raubzug der Geschichte, 2012, Seite 188) u.a. über ETFs (Indexfonds) und beweisen dabei, dass sie überhaupt nicht verstehen, über was sie dort schreiben. Ihre Ausführungen dazu sind schlichtweg falsch:
    "Das neueste Produkt der Banken, um Ihnen Ihr sauer verdientes Geld aus der Tasche zu ziehen, sind sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds). Hierbei handelt es sich nicht wie oftmals behauptet um eine Aktienanlage! Diese Anlage enthält keine Aktien. Es werden lediglich mit Terminkontrakten Kursentwicklungen nachgebildet. Ich persönlich lasse die Finger von solchem Irrsinn."

Natürlich kann man sich mal irren. Allerdings sollte es nicht immer und immer wieder vorkommen und zu einer gewissen Bescheidenheit führen, wenn man immer wieder aufs Neue überzeugt ist, die eigenen Prognosen überzeugt zu teilen.

Und nicht zuletzt halte ich es für ziemlich fragwürdig, in einem Buch völlig falsche Informationen und Warnungen zu verbreiten, die letztendlich nur die eigene Unwissenheit und Selbstüberschätzung zeigen. Markus Neumann schreibt im Fokus zu dem letzten Zitat:

"Dieses Zitat zeigt neben vielen anderen wie wenig Ahnung Matthias Weik und Marc Friedrich von Geldanlage und Finanzprodukten haben und wie es um die Qualität ihrer "Recherchen" bestellt ist."

#11: Pamphlets statt objektiver Diskurs

Crash-Propheten haben viele Begriffe für sich entwickelt und genutzt, die hoch und runter gebetet werden. Dazu kommt generell ein sprachliches Umfeld, das weit von einer nüchternen Auseinandersetzung entfernt ist.

Begriffe wie Endspiel, Jahrhundertcrash, Euroblase, Euro-Armageddon, Finanzinfarkt, Draghi-Crash und viele mehr sind immer wieder zu finden.

Aber auch die allgemeine Sprache ist hetzerisch und wenig differenziert. Es werden immer neue Superlative bemüht. Beispielsweise Friedrich und Weik sprechen in ihrem Buch "Der größte Raubzug der Geschichte" (2012) so:

  • "Das neueste Produkt der Banken, um Ihnen Ihr sauer verdientes Geld aus der Tasche zu ziehen..."
  • "Leider ist es anscheinend nicht möglich, dass absolute Vollidioten eine Bank leiten können..."
  • "Das Finanzsystem hat Krebs im Endstadium."

Auch Dirk Müllers Thesen und Titel um seine Aussagen sind nicht besser: "So werden wir von den Eliten geplündert", "Dieser Crash ist gewollt", „Die Leute haben die Schnauze voll“, "Wenn ich mit Politikern spreche, sehe ich in hohle Augen" usw.

Ohne all diese Aussagen inhaltlich bewerten zu können: Objektivität und neutrale Sprache sieht anders aus.

"Merke: Der Crash-Prophet gehört zur Börsenfolklore wie der Gondoliere zu Venedig. Diese Jungs beleben das Geschäft mit ihren wirren Thesen." - Finanzwesir

#12: Das eigene Hamsterrad & Conformation Bias

Es tut unfassbar gut, immer nur das zu hören, was wir ohnehin schon glauben. Leider hilft uns das nicht unbedingt weiter, wenn wir an neue Erkenntnisse gelangen wollen.

Gerade der Conformation Bias macht uns dabei einen Strich durch die Rechnung: Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass wir tatsächlich dazu neigen, die Informationen, die unsere eigene Sichtweise bestätigen, stärker wahrzunehmen und als glaubhafter einzuschätzen.

Mir - und vermutlich auch dem Großteil der restlichen Zielgruppe - ist völlig klar, was mich in 90 % der Videos der besagten Propheten erwartet:

Es gibt mal wieder Risiken über Risiken, der Crash kommt garantiert, die "Eliten" und die Notenbanker sind schuld, wir haben in unserem Fonds XY gemacht, "ich hab schon immer gesagt, dass...", "was wir jetzt sehen werden, ist..." usw.

Es findet kein neuer Erkenntnisgewinn statt. Das gleiche Narrativ wird immer und immer wieder gefüttert.

#13: Überheblichkeit als Narrativ

Die Propheten spinnen eine Welt, in der sie die wenigen sind, die den Durchblick haben. Und die Zuhörer, Leser und Zuschauer gehören nun auch zu den Erleuchteten.

Sie alle wissen nun Bescheid. Im Gegensatz zu den anderen Naivlingen, die nicht über die Notenbanken nachdenken und gedankenlos investieren.

Friedrich und Weik schreiben 2012 "Die cleveren Leute verkaufen jetzt die Immobilien teuer, die Uninformierten kaufen sie auf Pump." Mal abgesehen davon, dass Immobilien danach nur gestiegen sind, zeigt es exemplarisch das "Wir gegen die" Denken.

Dabei wird ebenfalls ignoriert, dass der Großteil der Anleger sich darüber Gedanken macht. Es wird ignoriert, dass es eine Vielzahl kluger und bestens ausgebildeter Köpfe an den Finanzmärkten gibt - Ökonomen, Fondsmanager, professionelle Investoren, Finanzwissenschaftler, Mathematiker, CEOs, Finanzvorstände und private Anleger - auch wenn diese nicht die gleiche mediale Aufmerksamkeit genießen.

Mediale Aufmerksamkeit sagt aber nichts oder nur wenig über tatsächliche Kompetenz aus.

"Die Autoren haben weder die Kompetenz noch besondere Daten noch besondere Möglichkeiten der Interpretation, um solche Thesen aufzustellen." - Andreas Beck (Fondsmanager)

Auch diese Menschen wissen natürlich nicht alles. Aber sie machen sich genauso Gedanken, sind bestens ausgebildet und investieren viel Zeit in die Analyse der Finanzmärkte. Sie sehen Risiken und reagieren auf diese.

Die Vorstellung, dass nur ein paar deutsche Crash-Gurus den Durchblick hätten und die restlichen Akteure des Kapitalmarktes blind sind, ist ziemlich naiv.

Fazit: 13 Gründe, warum du Crash-Prognosen gegenüber skeptisch sein solltest

Wie eingangs erwähnt sind es nicht die einzelnen Kritikpunkte, warum man den Crash-Propheten skeptisch gegenüberstehen sollte, sondern viel mehr die Gesamtheit dieser Gründe.

Qualität der Aussagen: Der Großteil der Prognosen liegt daneben, es ist nicht mehr als maximal Zufallstreffer zu erkennen. Die Fonds liefern schlechte bis mittelmäßige Ergebnisse. Immer wieder werden auch in anderen Kontexten falsche Aussagen getroffen. Es wird gegen finanzwissenschaftliche Evidenz, bspw. zum Market Timing, gehandelt.

Rhetorik: Finanzmärkte werden als statisches System betrachtet. Eigene Crash-Prognosen treffen angeblich entweder zu oder werden nur von anderen hinausgezögert, bis sie zutreffen. Es wird ein Gegner und ein Feindbild mit einer reißerischen Sprache inszeniert. Eigene Meinungen werden als Fakten hingestellt.

Glaubwürdigkeit: Es herrschen offensichtliche Interessenskonflikte. Maßnahmen der Crash-Propheten sind außerdem nicht eindeutig, teilweise gegensätzlich.

Die meisten der Crash-Propheten haben definitiv ein gewisses Wissen über Finanzmärkte (und ein großes Wissen im Marketing). Außerdem ist natürlich trotz der hier geübten Kritik bei Weitem nicht jede Aussage falsch, die sie treffen. Sie mögen mit ihren Analysen tatsächlich auch oft einen wahren Kern treffen. 

Daraus resultiert aber in den seltensten Fällen Mehrwert für Anleger. Das Schaffen von Risikobewusstsein ist gut und wichtig. Das Bild, das allerdings von Crash-Propheten gezeichnet wird, hilft in meinen Augen kaum Anlegern langfristig weiter.

Weitere Leseempfehlungen und Quellen:

  • "Die seltsame Welt des Mr. DAX" (Spiegel)
  • "Die Thesen der Crash-Propheten Weik und Friedrich im Check" (Focus)
  • "Was an den Argumenten der Crash-Propheten dran ist" (vom Ökonom Marcel Fratzscher im Spiegel)
  • "Crash-Propheten im Crash-Test" (Süddeutsche Zeitung, 2019)
  • "Crash-Propheten im Crash-Test" (Börse ARD, 2020)
  • "Auf Crash-Propheten zu hören, kann für Anleger teuer werden" (NZZ.ch, 2020)

Über den Autor


Hey, ich bin Jannes. Langfristig denkender Privatanleger, Investor, Ökonom sowie Gründer von Aktienrebell und StrategyInvest. Herzlich Willkommen also zu meiner Rebellion gegen fehlende Finanzbildung, schlechte Anlageentscheidungen und das Spiel der Finanzindustrie.

Jannes Lorenzen

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  • Vielen Dank für die objektive, seriöse, mit vielen Argumenten bestückte Analyse. Ich stimme voll inhaltlich zu und finde es sehr gut endlich mal die Crashpropheten inhaltlich auseinanderzunehmen.

  • sehr guter, sehr ausgewogener, sehr umfassender Beitrag und sehr pointiert – meinen Glückwunsch! Kleine Richtigstellung: "Mr. Doom" heißt Marc Faber; Meb Faber gibt es zwar auch und er ist auch an den Finanzmärkten tätig, aber er ist meines Wissens bisher nicht als Crash-Prophet auffällig geworden.

    • Ups, stimmt natürlich. Hab zuletzt einiges von Meb Faber gelesen, dessen Ausführungen mir gut gefallen, da hab ich das wohl vertauscht. 😉 Ist korrigiert, vielen Dank für den Hinweis!

  • Danke Jannes, toller Beitrag ich habe mir schon immer gedacht das hinter der Rhetorik was nicht stimmen kann, Du hast das schön erklärt, echt super! 🙂

    MFG Manfred

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