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7 Gewohnheiten, die deine finanzielle Zukunft ruinieren

Wir alle haben Glaubenssätze und Denkweisen, nach denen wir unser Leben bewusst und unbewusst ausrichten.

Sie machen uns das Leben leichter. Wir müssen oftmals nicht lange nachdenken, sondern können schnell Entscheidungen treffen, da wir Grundsätze befolgen.

Einige dieser Grundsätze können allerdings sehr schädlich sein.

Deshalb möchte ich dir 7 Gewohnheiten zeigen, die für die meisten Menschen den Standard darstellen, die deine finanzielle Zukunft ruinieren können - ohne, dass du es heute merken würdest.

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Wer legt dein Geld am besten an? Die 4 Wege im direkten Vergleich

Fondsmanager, Anlageberater, Vermögensverwalter, Robo-Advisor, du selbst - Irgendjemand muss sich um deine Geldanlage kümmern.

Die staatliche Rente steht auf wackligen Beinen, die Inflation schreitet Jahr für Jahr voran und entwertet dein Geld.

Wem vertraust du dein Geld also an? Einem Fondsmanager, einem Robo-Advisor, einem Berater oder machst du es lieber selbst?

Dieser Frage gehe ich in diesem Artikel auf den Grund. Du wirst erfahren, welche Vor- und Nachteile mit welcher Variante einher gehen und was ich dir empfehle.

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Ich habe 21 wissenschaftliche Studien und 1.200.000 Anleger analysiert – das habe ich herausgefunden

Wie schneiden wir Privatanleger ab? Was machen wir möglicherweise falsch?

Diesen Fragen bin ich auf den Grund gegangen. Zur Beantwortung möchte ich aber nicht meine eigene Meinung oder Anekdoten von medienpräsenten Börsenexperten heranziehen, sondern etwas viel Wertvolleres:

Die Erkenntnisse der Finanzwissenschaft.

Ich habe in den letzten Jahren mehr als 200 wissenschaftliche Studien über das Investieren, die Aktienmärkte, Vermögensaufbau und die Psychologie gelesen um herauszufinden, was wirklich funktioniert und Sinn von Unsinn zu trennen.

Jetzt möchte ich dir einige der wichtigsten Erkenntnisse zeigen, damit du es einfacher hast.

21 Studien, mehr als 1.200.000 untersuchte Anleger, der Gehirnschmalz von mehr als 50 Wissenschaftlern.

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Die kaum bekannte Wahrheit über Smart Beta ETFs

Lieber ETF-Gott, ich habe gesündigt. Ich habe einen Smart Beta ETF gekauft.

Einen ETF, der nicht einfach alle Aktien brav nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet, sondern bei der Auswahl und der Gewichtung andere Faktoren als die Größe berücksichtigt.

Nicht nur das: In meinem Online-Kurs zur Rebell-Methode (vorher "ETF-Meisterkurs") habe ich Smart Beta ETFs sogar einen ausführlichen Teil gewidmet.

Warum ich das getan habe, warum die ETF-Welt mich dafür steinigen würde und warum ich viel mehr glaube, dass die meisten ETF-Experten einen großen Irrtum verbreiten, zeige ich dir in diesem Artikel.

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Die 15 Nachteile von ETFs: Diese Risiken & Mythen musst du kennen

Was sind die Nachteile von ETF Fonds (bzw. Exchange Traded Funds)?

Über die Vorteile wird viel gesprochen, denn in der ETF-Branche herrscht Aufbruchstimmung.

Das in ETFs investierte Geld wird Jahr für Jahr größer. Alle schwärmen von den passiven, kostengünstigen Indexfonds, die die meisten Investmentfonds schlagen.

Aber irgendwo muss doch ein Haken sein, oder?

Es gibt durchaus Nachteile und Gefahren, die ETFs mit sich bringen. Dinge, über die sich aktive und passive Investoren laufend heiße Debatten liefern.

Und da ich mich seit Jahren ausführlich mit ETFs auseinandersetze (und nicht zuletzt einen ausführlichen Online-Kurs dazu erstellt habe) und ich immer ein reflektiertes Bild liefern möchte, gehört dazu ganz zentral, dass wir uns auch die Nachteile von ETFs anschauen und vergegenwärtigen.

Wie schwerwiegend diese Gefahren und mögliche Nachteile von ETFs sind, wie sie sich auf deine Geldanlage auswirken und warum ETFs nicht die Lösung aller Probleme sind, kläre ich in diesem Artikel.

Vorab: Wenn du noch nicht weißt, was ETFs überhaupt sind und welche Vorteile diese bieten, empfehle ich dir diesen Artikel.

Es gibt 15 konkrete Punkte, die ETF-Gegnern ein Dorn im Auge sind. Gerade Fondsgesellschaften, die sich und ihre hohen Margen durch ETFs bedroht fühlen, verbreiten dabei einige Mythen über ETFs.

Ich zeige dir, was hinter diesen ETF-Risiken und den angeblichen ETF-Nachteilen steckt.

1. Ein ETF ist teurer als eine Aktie

Eine einzelne Aktie hat keine laufenden Kosten. Sobald du die Aktie gekauft hast befindet sie sich in deinem Besitz und fordert keine Zahlungen mehr.

Ein ETF fordert dagegen, dass du jährlich etwas von deiner Rendite abdrückst. Diese Gebühr verlangt die Fondsgesellschaft dafür, dass sie den Index laufend für dich abbildet.

Das bedeutet: Ein ETF hat jährliche Kosten, eine Aktie nicht. Auch der Besitz von 50 Aktien hätte keine laufenden Kosten zur Folge.

Diese jährliche Gebühr fehlt also bei der Rendite des ETFs und macht in der Regel 0,1 – 0,5% aus.

Der ETF ist also bei den jährlich anfallenden Kosten unterlegen. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille.

Denn dafür haben ETFs bei den Ordergebühren ganz klar die Nase vorn:

Jeder Aktien- und ETF-Kauf verlangt Gebühren.

Um so breit zu investieren wie ETFs musst du sehr viele Aktien kaufen. Das führt dazu, dass du viel öfter Ordergebühren zahlen musst, als würdest du nur einen ETF kaufen. Zudem passt der ETF automatisch die Gewichtung der enthaltenen Aktien an.

Je größer dein Kapital ist, desto weniger fällt die Ordergebühr ins Gewicht, da sie dann bei den meisten Brokern einen kleineren Anteil an deiner Investitionssumme ausmacht.

Solange du breit diversifizieren möchtest sind ETFs - trotz laufender Kosten (in Höhe der TER) - die günstigere Wähl.

Hast du ein größeres Kapital und genug Gründe (welche die meisten nicht haben), dein Geld in Einzelaktien zu investieren, können Aktien günstiger sein als ETFs. Du wirst eine höhere Ordergebühr zahlen, musst dafür aber jährlich keinen Cent mehr abdrücken.

2. Du kannst nur den Durchschnitt erreichen

"Indem du breit in einen ganzen Markt investierst, erreichst du zwangsläufig die Durchschnittsrendite aller Aktien in diesem Markt."

Was im ersten Moment logisch klingt, ist in Wahrheit falsch.

Tatsächlich erreichst du fast zwangsläufig eine überdurchschnittliche Rendite - ohne Hokus Pokus, sondern dank reiner Mathematik und des passiven Anlageansatzes.

Der Unterschied liegt in der Brutto- und der Nettorendite.

Die Bruttorendite ist die Rendite, die ein Anleger erreicht, ohne dass die anfallenden Kosten (Ordergebühren, Spread, Steuern...) abgezogen wurden.

Die Nettorendite ist um diese Kosten bereinigt. Sie ist also die Rendite, die du als Anleger letztendlich als Verzinsung auf dein Kapital erhältst - und deshalb ist sie auch ausschlaggebend.

Wenn wir die Bruttorendite betrachten erreichen wir tatsächlich nur den Durchschnitt anhand des passiven Investierens.

Unsere Nettorendite ist aber fast zwangsläufig über der Rendite der aktiven Anleger, da wir in der Regel deutlich geringere Kosten haben als die anderen Anleger. Das liegt schlichtweg daran, dass wir kaum Handeln.

Dadurch erreichen wir mit hoher Wahrscheinlichkeit eine überdurchschnittliche Nettorendite.

Und das gilt nicht nur dann, wenn die Kurs steigen, sondern auch dann, wenn es mal bergab geht und es zu einem Aktiencrash kommt. Warum das so ist habe ich hier (siehe Mythos #4) erläutert und mit Fakten belegt.

Wie du mit ETFs (Indexfonds) fast zwangsläufig eine überdurchschnittliche Rendite erreichst

Hier siehst du das ganze veranschaulicht. Dabei habe ich angenommen, dass dem aktiven Investor Kosten in Höhe von 3% p.a. anfallen und dem passiven Investor Kosten von 0,5% p.a. anfallen.

nachteile von etfs 1

Jetzt könnte ein Feind des passiven Investorens noch argumentieren:

Okay, aber einer der beiden Anleger liegt ja trotzdem über der Nettorendite des passiven Investors.

Das stimmt. Und tatsächlich wird es immer mal bessere Investoren geben als den passiven Investor.

Jedoch zeigen empirische Ergebnisse, sowohl was den Erfolg der Privatanleger als auch den Erfolg der Fondsmanager angeht, dass sich diese "besseren Investoren" häufig abwechseln und oft zufallsbedingt an der Spitze stehen.

Je länger wir das ganze aber betrachten, desto geringer wird die Zahl derer, die den passiven Investor schlagen.

Die langfristige Entwicklung habe ich ebenfalls für dich verdeutlicht, basierend auf den obigen Daten und der Annahme, dass der Erfolg der aktiven Investoren zufallsbedingt ist:

nachteile von etfs 2

Es lässt sich darüber streiten, wie groß der Vorsprung des passiven Investors ist. In der Vergangenheit haben Indexfonds die aktiv gemanagten Investmentfonds um ca. 2% - 5% p.a. hinter sich gelassen.

Außerdem gibt es immer wieder Versuche, aktive Anlagestrategien zu konstruieren, die den Markt verlässlich schlagen. Aber, wie die Untersuchungen zeigen, ist das a) sehr selten und b) ändert es nichts daran, dass das passive Investieren eine überdurchschnittliche Rendite liefert.

Der letzte "Kritikpunkt", der übrig bleibt: Das passive Investieren nimmt die Chance auf die Riesengewinne.

Du wirst dein Geld nicht in kurzer Zeit vervielfachen, wie es bei kleinen Start-Ups der Fall sein könnte. Du wärst auch nicht vor 10 Jahren auf die Apple-Aktie gestoßen, mit der du reich geworden wärst.

Genauso wirst du aber auch kaum erleben, dass du dein ganzes Geld in einem ETF versenkst. Ein breit diversifizierter ETF geht nicht so einfach pleite wie es bei einer einzelnen Aktie der Fall sein kann.

Das ist für die einen die Genügsamkeit, die bei geringem Risiko zu einer sehr guten und überdurchschnittlichen Rendite führt.

Die anderen wollen den Nervenkitzel. Sie wollen potentielle Super-Aktien finden, den Markt vorausahnen und ihn schlagen. Der passive Investor gibt sich diesen Versuchungen nicht hin.

Wenn dein Ziel lautet, mit aller Macht eine Rendite weit über der Marktrendite erzielen zu wollen sind ETFs nicht das optimale Mittel für deine Geldanlage.

Wenn du mit hoher Wahrscheinlichkeit aber eine überdurchschnittliche Rendite erreichen willst, sind sie sehr gut für dich geeignet.

3. ETFs versagen im Crash

Die Faktenlage, nach der ETFs die Fondsmanager reihenweise hinter sich lassen, ist ziemlich eindeutig. Deshalb reagieren Banken und Fondsmanager. Sie behaupten:

"ETFs versagen im Crash! Damit läuft man ins offene Messer! Ein Fondsmanager kann reagieren und vor Verlusten schützen!"

Bei dieser Argumentation tauchen mehrere Probleme auf.

1. Problem: Die Statistiken sind über Zeiträume erhoben worden, die Crashs (wie 1987, 2002 und 2008) beinhalten. Wenn Fondsmanager dort besser abschneiden würden kann der Effekt also nicht lange angehalten haben.

2. Problem: Schauen wir uns einmal die Fakten an. Wie viele Fondsmanager haben es laut Cullen Roche geschafft in den Crash-Jahren 2001, 2002 und 2008 den Markt zu schlagen?

2001: 35%
2002: 32%
2008: 44%

Selbst in den Crash-Jahren waren also Anleger, die sich am Index orientiert haben, den meisten Fondsmanagern voraus.

3. Problem: Selbst wenn Fondsmanager kurzfristig besser abschneiden sollten (worauf die eben gezeigten Fakten nicht hindeuten) ist die langfristige Entwicklung entscheidend.

Wir können davon ausgehen, dass - vor Kosten - alle aktiven und passiven Fonds die durchschnittliche Marktrendite erreichen werden. Dadurch werden zwangsläufig die Fonds überdurchschnittlich abschneiden, die günstigere Gebühren haben.

Diesen Zusammenhang habe ich bereits im vorherigen Mythos erläutert und auch Nobelpreisträger William Sharpe betont ihn in seiner "Artihmetik des aktiven Managements".

"Because active and passive returns are equal before
cost, and because active managers bear greater costs,
it follows that the after-cost return from active management
must be lower than that from passive management."

- William F. Sharpe, Wirtschaftsnobelpreisträger

4. Mit ETFs kauft man zwangsweise auch schlechte Aktien

Ein ETF kauft einen gesamten Korb an Aktien. Gemäß den Worten des Auflegers der ersten Indexfonds:

"Suche nicht die Nadel im Heuhaufen. Kaufe einfach den Heuhaufen!"

- John Bogle, Gründer der Fondsgesellschaft Vanguard

Natürlich sind dabei also auch Aktien, die eine schlechte Rendite liefern werden. Einigen Anlegern ist das ein Dorn im Auge - oder aktive Manager, die ein finanzielles Interesse am Niedergang von ETFs haben, tun so, als wäre es ein Dorn.

Die Wahrheit ist: Jeder Anleger, selbst die besten Investoren der Welt, investieren auch in schlechte Aktien. Die Aussage trifft also nicht nur auf ETFs, sondern auf jeden Anleger zu.

Aber ohnehin ist das Argument falsch:

Nachweislich schaffen es die meisten Privatanleger und Fondsmanager nicht den Markt zu schlagen, sprich: Gute Aktien von schlechten Aktien zu unterscheiden.

Zahlreiche Studien zum Verhalten von Anlegern haben darüber hinaus gezeigt, dass Anleger dazu neigen die guten Aktien zu verkaufen und schlechtere zu kaufen.

Statt es als Kritik zu sehen, dass zwangsweise auch ein paar schlechte Aktien bei einem ETF dabei sein werden, überwiegt für die meisten Privatanleger der Vorteil, dass überhaupt die guten Aktien dabei sind.

Damit dieser Kritikpunkt wirklich zu einem wird, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Du brauchst die Fähigkeit gute von schlechten Aktien zu unterscheiden (was die meisten nachweislich nicht schaffen)
  • Du musst deine Kosten so niedrig halten, dass sie deine mögliche Zusatzrendite durch Hin-und-her-Handeln nicht aufzehren
  • Du musst einen höheren Zeitaufwand und meistens ein höheres Risiko eingehen

Anleger wollen die Wahrheit nicht hören, aber sie ist Realität:

Der Versuch, gute und schlechte Aktien zu unterschieden, endet für die meisten Anleger in schlechteren Renditen.

Und wer selbst das nicht akzeptieren möchte, kann Smart Beta ETFs nutzen, um auch mit ETFs eine kostengünstige Aktienselektion vorzunehmen.

5. ETF-Anleger sind Trittbrettfahrer

Die verbreitete Theorie, auf die viele ETF-Investoren schwören, ist die Effizienzmarkthypothese.

Diese besagt, dass alle verfügbaren Informationen schon in den Aktienkurs eingepreist sind und es nicht möglich ist, ohne das Eingehen eines höheren Risikos, eine bessere Rendite zu erzielen.

Diese weit verbreitete Theorie nimmt also an, dass auf den Märkten faire Aktienpreise herrschen. Das ist auch durchaus nachvollziehbar.

Werden schlechte Nachrichten veröffentlicht fällt der Aktienkurs. Bei guten Neuigkeiten steigt der Aktienkurs.

Dadurch entsteht ein Preis, bei dem das Angebot und die Nachfrage im Gleichgewicht sind, den alle Anleger gemeinsam schaffen.

Weil es nach dieser Hypothese nicht möglich ist eine Überrendite zu erzielen, wird in ETFs und passiv investiert.

Dadurch ist der ETF-Anleger ein Trittbrettfahrer: Fondsmanager, Analysten und Privatanleger sorgen für faire Preise auf dem Markt.

Sie analysieren Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen, Mitkonkurrenten, das Management und viele weitere Aspekte. Sie sorgen für die fairen Preise auf dem Markt.

Der Anleger, der breit in den Markt investiert, macht sich also die fairen Preise zunutze, zu denen er selbst nichts beiträgt.

Allerdings müssen wir auch hier einschränken: Apple, das aktuell größte Unternehmen der Welt, ist nicht durch ETFs, Fondsmanager oder Privatanleger so wertvoll geworden, sondern durch die Kunden, die die hochpreisigen iPhones, Macbook und Co. kaufen.

Wo das Geld der Anleger landet und welches Unternehmen wertvoller wird, wird in erster Linie durch tägliche Kaufentscheidungen getroffen:

Werden mehr Autos bei Volkswagen oder bei Mercedes gekauft? Werden mehr Smartphones von Apple oder von Samsung verkauft?

6. ETFs verstärken Kursbewegungen

Die replizierenden ETFs bilden die Entwicklung des zugrundeliegenden Index ab, indem sie die darin enthaltenen Aktien tatsächlich kaufen.

Das ist der logische Vorgang um einen Markt abzudecken: Kaufe einfach die darin enthaltenen Aktien.

Wenn ein Aktienkurs steigt, bedeutet das, dass mehr Anleger diese Aktie kaufen. Die Aktie wird also beliebter.

Indem der Aktienkurs steigt, gewinnt ein Unternehmen an der Börse an Wert.

Genau das muss der ETF berücksichtigen: Der ETF beinhaltet die Aktien, meistens gewichtet nach ihrem jeweiligen Börsenwert.

Aber hier kommen wir einem großen Irrtum auf die Schliche:

Wenn der Börsenwert einer Aktie steigt, muss der ETF nicht diese Aktie nachkaufen, um wieder der Gewichtung des Index zu entsprechen (wie bspw. hier von der FAZ geschrieben).

Wenn dem so wäre, würden dadurch also nochmal mehr Aktien gekauft als ohnehin schon gekauft wurden. Der Aufwärtstrend würde durch ETFs künstlich verstärkt werden.

Die Wahrheit sieht aber anders aus:

Wenn eine Aktie im Wert steigt und der ETF diese hält, steigt auch automatisch der Anteil der Aktie innerhalb des ETFs.

Der ETF muss also nicht nachjustieren, da die Preisveränderungen von Aktien bei der Gewichtung nach Marktkapitalisierung durch den Preis 1:1 widergespiegelt wird.

Ausnahmen stellen gleichgewichtete Indizes, bei denen jede Aktie den gleichen Anteil am Index hat. Diese sind aber kaum verbreitet.

Eine weitere Ausnahme findet dann statt, wenn eine Aktie den Index wechselt:

Wenn also eine DAX-Aktie in den kleineren Index, den mDax wechselt, müssen logischerweise die replizierenden Dax-ETFs diese Aktie verkaufen und die mDax-ETFs diese Aktie kaufen.

Je nachdem, welche ETFs einen größeren Marktanteil haben - vermutlich die Dax-ETFs - wird die Aktie dadurch beeinflusst.

Aber dies sind nur wenige Sonderfälle, bei denen dieser Mythos tatsächlich gilt - und dann auch nur bei replizierenden ETFs.

7. Was passiert, wenn alle nur noch ETFs kaufen?

In Deutschland nutzen bisher nur wenige Anleger ETFs. Wir sind also weit davon entfernt, dass diese ETFs eine große Auswirkung auf das Marktgeschehen haben – bisher jedenfalls.

ETFs bieten nach wie vor viele Vorteile. Das wird dazu führen, dass immer mehr Menschen in ETFs investieren.

Die Finanzbranche tut aber ihr Bestes, um den Leuten ihre überteuerten Produkte aufzudrücken, weshalb das ganze etwas ausgebremst wird.

Wie relevant ETFs in 10 Jahren sein werden ist sehr spekulativ und kann keiner beantworten. Was passiert aber, wenn der Großteil der Anleger in ETFs investiert?

Je mehr Menschen ihr Geld in ETFs packen, desto weniger Akteure sorgen für die Preise auf dem Markt.

Aber wie wir gesehen haben: Der Erfolg der ETFs beruht darauf, dass alle Marktteilnehmer für faire Preise sorgen.

Je weniger Akteure tatsächlich Unternehmen analysieren und damit das Unternehmen bewerten, desto stärker wird der Preis einer Aktie vom tatsächlichen Wert abweichen.

ETFs urteilen nicht über den Wert einer Aktie. Sie nehmen den Wert, den die anderen Marktteilnehmer herstellen.

Das wird größere Chancen für aktive Anleger eröffnen. Da dann nur weniger Akteure für die Preisfindung verantwortlich sind, ist es wahrscheinlicher, mit Geschick und Wissen günstige Aktien zu finden.

Je ineffizienter der Markt wird, desto besser steht der aktive Anleger dar.

Das bedeutet: Es wird wieder mehr aktive Anleger geben, sodass das Szenario, dass alle Anleger nur noch passiv in ETFs anlegen, dann wieder hinfällig ist.

Zudem ich nicht vermute, dass ein zu langsames oder zu geringes Verarbeiten von Informationen in Zeiten von hochleistungsstarken Computer-Algorithmen heute oder in Zukunft ein Problem ist, sondern dass die Geschwindigkeit (und Genauigkeit) der Informationsverarbeitung zunehmen wird.

Dieses Szenario ist zudem noch weit entfernt und nicht abzusehen. Gerd Kommer schreibt dazu:

"Zu allererst muss man festhalten, dass der globale Marktanteil von passivem Investieren (ob mit traditionellen Indexfonds oder ETFs) nicht bei 20% oder 25% liegt, sondern bei wahrscheinlich unter einem Prozent – und das gut 40 Jahre nachdem der erste Indexfonds aufgelegt wurde."

Gleichermaßen ist die theoretische Frage "Was passiert, wenn alle XYZ machen?" kein vernünftiges Argument.

Was passiert, wenn alle nur noch Unternehmer und Selbständige sind?

Es gibt keine Angestellten mehr, alle Unternehmen würden Pleite gehen.

Was passiert, wenn alle nur noch Beamte sind?

Es gibt keine Privatwirtschaft mehr, der Staat wäre schnell bankrott.

Was passiert, wenn alle nur noch bei Aldi einkaufen?

Zahlreiche Unternehmen gehen Pleite, Aldi hat Lieferengpässe und ewig lange Wartezeiten.

Sollen wir nun jeden Beruf, jedes Unternehmen und jedes Anlageinstrument verbieten, da diese zu Ungleichgewichten führen, wenn alle das gleiche machen?

Es ist schlichtweg ein Szenario, welches 1. in weiter Ferne liegt, 2. durch den Markt selbst verhindert wird und 3. nie alle Menschen das gleiche machen.

8. ETFs haben keine eigene Meinung

Viele Fondsmanager stören sich an den ETFs, die große Aktienbestände in ihren Reihen halten.

Die meisten Aktien beinhalten ein Stimmrecht. Dieses Stimmrecht kann auf der Hauptversammlung genutzt werden, um für oder gegen Pläne des Vorstandes zu stimmen.

Für Privatanleger ist das weniger relevant. Fondsmanager, die große Aktienbestände eines Unternehmens halten, erreichen dadurch aber ein großes Mitspracherecht.

Hält ein Fonds 20% eines Unternehmens, was in der Realität gar nicht so selten vorkommt, besitzt er 1/5 der Stimmrechte. Dadurch spielt er eine enorme Rolle in der Unternehmenspolitik.

Außerdem dient er als Kontrollmechanismus für das Unternehmen. Er vertritt die Interessen der Aktionäre, stellt kritische Fragen und möchte das Unternehmen in eine möglichst positive Zukunft lenken.

Die Fondsgesellschaften behalten aufgrund rechtlicher Vorschriften die Stimmrechte der im ETF enthaltenen Aktien - und oftmals üben sie diese aus.

Zwar standen ETF-Fondsgesellschaften lange Zeit im Ruf, die Anträge des Vorstandes kommentarlos durchzuwinken und die Stimmrechte verfallen zu lassen. Die größten Fondsgesellschaften nehmen aber sehr wohl Einfluss, um die Stimmrechte im Sinne der Anleger und langfristig steigenden Aktienkursen wahrzunehmen.

So schreibt iShares:

"Die aktive Einflussnahme und Stimmrechtsvertretung nutzt BlackRock für einen direkten Dialog mit den Unternehmen über unsere Philosophie und unseren Ansatz in der Vermögensanlage und Unternehmensführung.

Bei Aktionärsversammlungen nehmen wir das Stimmrecht für unsere Kunden wahr. Unser Corporate Governance and Responsible Investment Team (CGRI) arbeitet eng mit unseren BlackRock-Fondsmanagern zusammen, damit ökologische, soziale und Governance-Themen (ESG-Themen) angemessen im Anlageprozess berücksichtigt werden."

Darüber hinaus nimmt iShares bzw. BlackRock nach eigenen Angaben die Stimmrechte auf ca. 15.000 Hauptversammlungen jährlich wahr.

9. ETFs fördern die Zockermentalität

ETFs sind sehr günstige Möglichkeiten um in einen ganzen Markt einzusteigen. Sie sind sehr gut handelbar und verlangen keine großen Kosten.

Das verleitet viele Anleger nach Meinung vieler Finanzexperten zum Zocken.

Je geringer die Kosten sind, desto mehr wird auch ein Instrument wie der ETF zum aktiven Handeln genutzt.

Doch dadurch verlieren ETFs ihren Vorteil. Gerade langfristig sind sie günstig und besser als die meisten Investmentfonds.

Sie sind optimal geeignet um erfolgreich PASSIV zu investieren.

Sie dienen optimal als passives Anlageinstrument. Aber sie sind nicht das Allheilmittel gegen alle Börsenprobleme.

Du bist für den richtigen Umgang mit diesem Produkt verantwortlich. ETFs sind sehr gut – wenn du aber anfängst mit ihnen waghalsig zu zocken werden dir die Vorteile der ETFs nicht viel nutzen.

Mindestens genauso wichtig wie das Finden des richtigen Produkt ist der richtige Umgang mit diesem.

10. ETFs kaufen selbst wertlose Aktien und verzerren damit den Markt

Ich habe im August 2017 einen spannenden Beitrag von Markus Koch, Börsenexperte von n-tv, auf Facebook entdeckt:

Markus Koch ETF Risiko Nachteile

Die Aussage ist klar:

Trotz eindeutiger Faktenlage ist die Aktie gestiegen. Schuld daran sind - selbstverständlich - ETFs.

Leider tauchen einige Fragen auf, die die scheinbar simple Logik dieser Schlussfolgerung in Zweifel ziehen:

Frage 1: Hat Markus Koch verstanden, dass es an der Börse um die Zukunft, nicht um die Vergangenheit geht?

Es ist ja schön und gut, wenn Umsätze und Gewinne fallen. Wenn die Gewinnerwartung für die Zukunft steigt, wird allerdings auch der Aktienkurs steigen.

Den Anleger interessiert nicht, was in der Vergangenheit war, sondern nur das, was die Aktie in der Zukunft liefert.

Frage 2: Wie schafft es ein Anteil an passiv angelegtem Geld in ETFs, der ca. bei 1% (siehe oben) liegt, eine der größten Aktien der Welt so zu verzerren?

Frage 3: Wenn die Überbewertung so offensichtlich ist, warum verkaufen dann nicht die ganzen Aktionäre von Exxon Mobil?

Es wäre doch die perfekte Gelegenheit eine Aktie überteuert los zu werden und Gewinne einzustreichen. Oder macht der Markt es womöglich nicht, da er eine ganz andere Sicht auf die Dinge hat als Markus Koch?

Frage 4: Wenn die Überbewertung so offensichtlich ist, warum reagieren Anleger wie Markus Koch nicht darauf und setzen durch Leerverkäufe auf fallende Kurse?

Frage 5: Wie können Aktienkurse trotz steigender ETF-Mittelzuflüsse fallen, wenn doch - nach der Logik von Herrn Koch - ETFs einzig und allein  für steigende Kurse bei einer "offensichtlichen Fehlbewertung" verantwortlich sind?

All diese Fragen sollten zeigen, dass Markus Koch es sich hier viel zu einfach macht und diese Analyse mehr ein populistischer Facebook-Post als eine tiefgehende und zutreffende Ursachenforschung ist.

Vielleicht ist das eine Form des "self-serving bias":

"Ich bin der Meinung, dass Aktie XY überbewertet ist. Wenn sie fällt habe ich meine Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Wenn sie steigt war meine Analyse natürlich nicht falsch, es sind nur äußere Umstände (wie ETFs) daran schuld."

Ganz abgesehen davon sind nicht alle ETFs blinde Investmentvehikel:

Es gibt Smart Beta ETFs, die nur in Aktien investieren, die bestimmte Kriterien (bspw. eine günstige Bewertung oder hohe Qualität) erfüllen. Jeder Anleger investiert zu unterschiedlichen Anteilen in verschiedene Regionen oder Branchen.

Durch die zahlreichen ETFs, die bestimmte Nischen abbilden, wird nicht jede Aktie gleichermaßen blind gekauft, sondern findet auch hier eine gezielte Allokation statt:

Aktien, die in mehr ETFs vertreten sind, die Zulauf von Anlegern haben, werden eher gekauft als Aktien, die sich in unattraktiven Regionen, Branchen oder ETFs befinden.

11. ETFs besitzen die Aktien gar nicht und sind damit hochriskant

ETFs wählen unterschiedliche Wege um den gewünschten Index nachzubilden.

Dabei ergeben sich in bestimmten Konstellationen zwei Risiken:

Das Wertpapierleiherisiko: Ein ETF investiert in die im Index enthaltenen Aktien, kann aber einen Teil davon wiederum gegen eine Gebühr verleihen.

Das Kontrahentenrisiko: Ein ETF investiert nicht in die im Index enthaltenen Aktien, sondern lässt sich die Rendite von einem Partner, oftmals einer Großbank, auszahlen.

Da haben wir's doch!!! ETFs sind nur spekulative Finanzprodukte!!!!111

Ganz langsam.

Es gibt ETFs, die völlig ohne beide Risiken auskommen.

Dazu hat die Fondsindustrie wirklich gute Arbeit geleistet: Die Wertpapierleihe ist eine gängige Praxis bei vielen aktiv gemanagten Investmentfonds. Scheinbar wird aber nur bei ETFs darüber gesprochen.

Werfen wir einmal einen kurzen Blick auf die Besicherung beider Risiken:

Die Besicherung des Kontrahentenrisikos

Das Swap-Geschäft, das bei synthetischen ETFs eingegangen wird, muss mindestens mit 90% an hochliquiden Sicherheiten hinterlegt werden.

Anders gesagt: Das Ausfallrisiko darf maximal 10% des Fondswertes ausmachen.

In der Praxis werden die ETFs oftmals übersichert, es werden also Sicherheiten im Wert von 102,5%, 105% oder sogar 110% hinterlegt.

Diese Besicherung wird von vielen Anbietern täglich überprüft und bei Notwendigkeit angepasst.

Die Besicherung des Wertpapierleiherisikos

Zuerst der Hinweis: Die Erträge der Wertpapierleihe fließen zum Großteil dem ETF zu. Sie sorgen also für eine leicht erhöhte Rendite.

Darüber hinaus ist der Umfang der Wertpapierleihe sowie die entleihenden Unternehmen bei jedem ETF, meist auf der Unternehmenswebseite, transparent angegeben.

Bei der Verleihung von Wertpapieren aus dem ETF finden in den meisten Fällen (individuell abweichend) folgende Maßnahmen statt:

  1. Die Entleihungsquote wird auf eine bestimmte Quote begrenzt (bspw. 50%)
  2. Es wird nur ein bestimmter Teil an einen einzigen Entleiher verliehen.
  3. Der Entleiher wird auf Bonität geprüft.
  4. Der Entleiher hinterlegt hochliquide Sicherheiten im Wert der entliehenen Wertpapiere, die oftmals den Wert des Leihgeschäfts sogar übersteigen (oftmals Cash, Staatsanleihen mit höchstem Bonitätsrating, große Aktien oder Unternehmensanleihen mit hoher Bonität).
  5. Die Sicherheiten werden laufend, meist täglich, überprüft und im Wert angepasst.
  6. Wenn all diese Sicherungsmechanismen fehlschlagen bzw. danach noch ein Teil des Vermögens ungedeckt bleibt, garantieren viele Fondsgesellschaften den Fehlbetrag mit eigenen Mitteln zu deckeln.

Wie hoch das Risiko letztendlich ist muss jeder individuell einschätzen.

Mir ist bis heute kein Fall aus den letzten 40 Jahren bekannt, in dem ein Anleger aus beiden Risiken finanziellen Schaden getragen hat.

Auch nicht zu den beiden wohl schwierigsten Börsenphasen zur Dotcom-Blase 2000 - 2002 oder der Finanzkrise 2008.

12. ETFs gaukeln die Liquidität nur vor

Es gibt einige Nischen-Bereiche, in denen die Liquidität der gehandelten Wertpapiere, sehr niedrig sein kann - vor allem in Crash-Phasen. Dazu gehören beispielsweise Ramsch-Anleihen  (bzw. Hochzinsanleihen), kleine Minenaktien.

ETFs machen den Einstieg in diese sonst schwer zugänglichen Anlagebereiche sehr attraktiv.

Nun kann es dazu kommen, dass der ETF liquider ist als seine zugrundeliegenden Wertpapiere im Durchschnitt. In Krisenzeiten könnte die Liquidität, die Handelbarkeit eines ETFs, aber (kurzfristig) sehr schlecht sein.

Allerdings wird hier dem ETF ein Nachteil zugeschrieben, der im Grunde jeden Anleger trifft: In solchen Phasen werden vermutlich auch die zugrundeliegenden Wertpapiere kaum gehandelt und die Liquidität enorm schlecht sein. Außerdem trifft das Problem genau so alle anderen Fonds.

Gerd Kommer schreibt dazu:

"Hier wird ETFs etwas vorgeworfen, was für mehr oder weniger alle kollektiven Investmentvehikel gilt und etwas, das vermutlich eine unvermeidliche Begleiterscheinung von Börsenkrisen ist."

13. Index Frontrunning: Aktive Anleger nutzen ETF-Anleger aus

Immer wieder kommt es zu Anpassen von Indizes. So beispielsweise dann, wenn ein Land wie China vom Indexaufleger MSCI nicht mehr als Schwellenland, sondern als Industrienation geführt wird.

Zahlreiche gewichtige ETFs, die Industrienationen abbilden, müssen dann chinesische Aktien hinzukaufen - und können durch diese Indexveränderungen starke Kursbewegungen verursachen.

Nun gibt es findige Anleger, die sich genau solche Indexanpassungen zu Nutze machen wollen und vor der Aufnahme in den Index in die entsprechende Aktie oder in die entsprechende Region investieren, um vom Kursanstieg durch das neue Kapital der ETFs zu profitieren und danach wieder zu verkaufen.

Daraus entstünde für den passiven ETF-Anleger ein finanzieller Nachteil, da der ETF vor jeder solcher Veränderungen etwas zu teuer einsteigt.

Wichtig ist allerdings: Diese Praxis des Frontrunnings, wenn vertrauliche Informationen ausgenutzt werden, ist in den meisten Ländern (auch in Deutschland) illegal. Dieses Verbot gilt allerdings nur so lange, bis eine Information öffentlich ist.

Eine wissenschaftliche Studie der NYU Stern School of Business stellt fest:

Von 1990 bis 2005 lag die Kursveränderung in zwei großen US-amerikanischen Aktienindizes, dem S&P500 und dem Russell 2000, im Zeitraum von der Bekanntgabe bis zur effektiven Aufnahme einer Aktie in den Index bei durchschnittlich +8,8% resp. +4,7%.

Im umgekehrten Fall, wenn eine Aktie aus dem Index genommen wurde, lag die Rendite der betroffenen Aktien von Bekanntgabe bis Umsetzung bei durchschnittlich -15.1% resp. -4,6%.

Zusätzlich stellen die Autoren fest, dass diese Differenzen seit 2000 in einem abnehmenden Trend sind.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 2008 schätzten die Autoren den jährlichen Verlust im S&P500 durch diese Faktoren auf 21 - 28 Basispunkte, was 0,21% bis 0,28% entspricht.

Die Fondsgesellschaften sind sich dieses Problems bewusst und sorgen vor:

Sie investieren nicht einmalig in die neuen Aktien, sondern bauen die neuen Positionen gestaffelt über einen bestimmten Zeitraum auf. Sie halten ihre Investitionen, so weit wie möglich, geheim. Aber auch damit lassen sich Verluste daraus vermutlich nicht gänzlich ausschließen.

Ja, das Frontrunning ist ein konstruktionsbedingtes Problem.

Dieses tritt allerdings nur selten auf und betrifft dabei lediglich einen kleinen Teil eines ETFs. Und letztlich ändert aber auch das Frontrunning nichts an dem Erfolg von ETFs: Trotz dieser Möglichkeiten schlagen ETFs langfristig ca. 72 - 98% der Fondsmanager.

14. Die ETF-Anbieter werden zu mächtig

Der ETF-Markt weist ein Profil auf, das wir aus nahezu allen Industrien und Branchen kennen: Es gibt einige große Anbieter, die den Großteil des Marktes abdecken und viele kleine Anbieter.

Im Bereich der ETFs sind das vor allem BlackRock (iShares), Vanguard und State Street (SPDR).

Das Argument lautet hier: Wenige Anbieter beherrschen den Markt, was zu schlechten Ergebnissen für den Verbraucher führt (bspw. steigende Kosten).

Dieser Gedanke ist in der Theorie durchaus legitim. Was sagt aber die Praxis?

Die Kostenquoten von ETFs sind über die letzten Jahre und Jahrzehnte abnehmend. Das bedeutet: ETFs werden laufend günstiger - ETF-Anleger werden damit also immer besser gestellt.

Die ETF-Anbieter erhöhen also nicht gemeinsam die Preise, sondern versuchen viel mehr, sich kostentechnisch zu unterbieten.

Ein anderes Risiko, das mit der gleichen Marktmacht begründet wird, ist das Insolvenzrisiko:

Was passiert, wenn es an den Märkten mal richtig crasht? Lösen die ETF-Fondsgesellschaften dann ein zweites Beben aus?

Wichtig ist zu verstehen, dass Fondsgesellschaften keine Banken sind (von denen tatsächlich Risiken ausgehen können).

Wenn die Kurse der BlackRock ETFs fallen sind in erster Linie die investierten Gelder der Kunden, also der ETF-Anleger betroffen, nicht die von BlackRock selbst. BlackRock verdient dann lediglich weniger Geld am Auflegen der ETFs, da diese Gebühr vom Fondsvermögen abhängig ist.

Das investierte Geld würde allerdings auch bei allen anderen Anlageformen, ob aktiv gemanagter Investmentfonds oder einzelne Aktie, an Wert verlieren.

Und selbst wenn eine Fondsgesellschaft in die Insolvenz rutschen sollte ist das Geld geschützt, da es zum Sondervermögen gehört: Es darf bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft nicht angerührt werden und du erhältst es wieder.

15. ETFs sind Finanzprodukte

Ja, das ist definitiv so: ETFs sind ein Finanzprodukt.

Viele Menschen haben große Vorurteile gegenüber allem, was der Finanzindustrie entspringt. Auch mir geht es so.

Aber es ist in meinen Augen kein Grund, alles und jeden per se zu verteufeln. Inhaltlich bleibt von der Kritik an ETFs wenig haften.

Wer trotzdem glaubt, dass die Finanzindustrie nur eine riesige Verschwörung der Finanzelite ist und jedes Anlageprodukt nur Abzocke, der wird sich auch von Fakten und Argumenten nicht überzeugen lassen und sollte zu einzelnen Aktien greifen.

Kritik, Risiken und Nachteile von ETFs – was bleibt davon übrig?

Es gibt jede Menge Stimmen, die ETFs kritisieren. Diese Kritik können wir aber in zwei Kategorien einteilen:

  1. Die Kritik, die die Nachteile des ETFs für den Anleger darstellen
  2. Die Kritik von anderen Fondsmanagern, denen ETFs ein Dorn im Auge sind

ETFs sind in der Investmentszene durchaus umstritten und immer wieder Gegenstand hitziger Diskussionen. Für dich als Privatanleger ist aber vor allem der erste Teil der Kritik interessant.

Du musst die Nachteile und Gefahren kennen, die ETFs mit sich bringen können.

Konkret heißt das, dass ETFs…

  • eine laufende Gebühr fordern
  • zum Zocken verleiten
  • den Markt brutto nicht schlagen (was viele aktive Anleger leider nicht beachten)
  • irgendwann ineffizienter werden könnten
  • gängige Mechanismen von Investmentfonds nutzen

Das sind die zentralen Punkte, die dir als Anleger bewusst sein müssen.

Dazu sei gesagt: ETF ist nicht gleich ETF. Und bevor du in einen solchen investierst, solltest du genau wissen, womit du es zu tun hast und wie der jeweilige ETF vorgeht und ob es zu deinem Vorhaben passt.

Nachteile von ETFs und mögliche, aber überwindbare Risiken, sind also vorhanden. Das alles ändert aber nichts daran, dass ETFs für uns Privatanleger eine gute Möglichkeit sind günstig und risikoarm eine gute Rendite zu erwirtschaften.

Daran ändert auch die Kritik der Investmentfonds und Banken so schnell nichts.

PS: Wenn du sofort mehr über das erfolgreiche passive Investieren in ETFs wissen willst erfährst du gratis in der ETF-Formel die 7 essentiellen Grundsätze, mit denen du dir erfolgreich und eigenständig ein ETF-Depot aufbaust.

Der Artikel wurde 2015 veröffentlicht und seitdem grundlegend überarbeitet.