7 Fehler bei der Aktienbewertung (und wie du sie vermeidest)

Um erfolgreich in einzelne Aktien zu investieren, musst du Aktien finden, bewerten und gute von schlechten unterscheiden können. Dafür gibt es unterschiedliche Strategien und Kennzahlen, die dir dabei helfen.

Es gibt jedoch immer wieder Fehler, die selbst fortgeschrittene Anleger bei der Bewertung und dem Kauf einer Aktie machen.

Einige Denkfehler haben wir bereits besprochen. Jetzt gehen wir aber noch konkreter in die Praxis.

Deshalb zeige ich dir heute 7 Fehler, die du unbedingt vermeiden musst, wenn du keine Rendite unnötigerweise verschenken möchtest. Legen wir los!

Tipp: Höre den Podcast. Dort gehen wir noch tiefer in diese Fehler ein mit zahlreichen Beispielen aus der Praxis.

#1 – Du hast die falsche Erwartungshaltung

Es gibt 4 Fragen, die du beantworten musst, um herauszufinden, ob du an einer Stelle eine falsche Erwartungshaltung hast.

Eine falsche Erwartungshaltung ist deshalb problematisch, da sie dazu führen kann, dass du enttäuscht wirst, emotional handelst oder deine Zeit an Punkten verschwendest, die dir nichts bringen.

Frage 1: Glaubst du, dass du mit simplen Überlegungen besser bist als der Markt, der zum Großteil aus dummen Anlegern besteht?

Dann überschätzt du dich höchstwahrscheinlich.

Du bist nicht der einzige Anleger, der sich Mühe gibt, Zahlen und Strategien analysiert und darauf basierend Entscheidungen trifft. Das ist auch nicht schlimm – wenn du aber glaubst, dass du mit ein paar simplen Überlegungen wie „Amazon hat ein hohes Wachstum, deshalb kaufe ich die Aktie“ langfristig Erfolg hast, liegst du falsch.

Frage 2: Welche Rendite erwartest du mit Aktien zu erreichen?

Zahlreiche Studien und Statistiken zeigen, dass Anleger überzogene Renditeerwartungen haben. Zum einen schreiben diese Anleger den Trend, den es in den letzten Jahren gab, einfach in die Zukunft fort. Zum anderen glauben alle, zu den klügeren 20% zu gehören, was statistisch nicht funktionieren kann.

Frage 3: Angenommen, du kaufst 10 Aktien. Wie viele davon verkaufst du im Gewinn (bzw. mit einer höheren Rendite als der Marktdurchschnitt)?

Viele Anleger glauben an eine Trefferwahrscheinlichkeit von 8 – 9 von 10 Käufen. Dabei bist du schon sehr gut, wenn du besser bist als der Durchschnitt, sprich: 6 von 10 Käufe mit überdurchschnittlicher Performance.

„In this business, if you’re good, you’re right six times out of ten. You’re never going to be right nine times out of ten.“ – Peter Lynch

Frage 4: Kaufst du eine Aktie erst dann, wenn du absolut sicher bist, dass diese steigen muss?

Du wirst nie zu 100% sicher wissen können, ob eine Aktie steigt oder fällt – außer, du hast Insiderinformationen, was aber illegal wäre.

Jeder Aktienkauf ist ein Abwägen von Chancen & Risiken. Garantien gibt es bei keinem Aktienkauf.

Einige „Experten“ erwecken den Eindruck, dass es Wege gibt, mit denen du sicher und zuverlässig gute von schlechten Aktien unterscheiden kannst. Wenn es klappt, dann aber nur über den Durchschnitt von vielen Aktien und vielen Entscheidungen, nicht bei einer einzigen Aktie.

Viele Anleger sind ernüchtert davon, dass es nie die eine Wahrheit gibt. Damit musst du dich aber anfreunden – und nicht deine Zeit damit verschwenden, die perfekte Aktie mit einer Garantie zu finden, da du dann ewig suchen wirst.

#2 – Du willst klüger als der CEO sein

Jedes Unternehmen steht immer wieder vor großen strategischen Fragen und Herausforderungen.

Wie reagieren wir auf die Konkurrenz? Wie digitalisieren wir uns? Sollten wir in einen neuen Markt eintreten oder nicht? Sollten wir unsere Produkte überdenken?

Diese Entscheidungen werden in der Regel vom Management getroffen, die sich mit dem Aufsichtsrat absprechen und von den Fachkräften ihres Unternehmens unterstützen lassen.

Es sind schwierige Entscheidungen unter Unsicherheit und mit unterschiedlichen Meinungen. Trotzdem müssen diese getroffen werden.

Nun gibt es viele Anleger, die es sich zur Hauptaufgabe machen, diese Entscheidungen zu analysieren, zu beurteilen und ihre Investment-Entscheidung davon abhängig zu machen.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der durchschnittliche Anleger diese Entscheidungen besser beurteilen kann als das Management eines Unternehmens, das…

  • mehr Erfahrung
  • mehr Fachwissen
  • bessere und ausführlichere Informationen
  • Personen mit unterschiedlichen Expertisen
  • mehr Zeit investiert

…hat?

Maximal 5% – wenn überhaupt. Und wenn, dann nur, wenn du wirklich Expertise dazu hast – sei es deine eigene, oder eine fremde Expertise, zu der du Zugang hast.

Anders gesagt: Es ist in 95% der Fälle nicht sinnvoll, zu glauben, man selbst sei klüger als das Management.

Wichtig sind bei der Aktienanalyse andere Fragen:

  • Wie funktioniert der Markt? Gibt es hohe Eintrittsbarrieren, wird es ein „Winner takes it all“ Markt sein, ist der Markt konjunkturabhängig,…?
  • Welche Trends dominieren die Zukunft (demographischer Wandel, Klimawandel, Digitalisierung,…)? Was bedeutet es für diese Unternehmen?
  • Wie gut ist das Geschäftsmodell? Welche Chancen & Risiken gibt es? Gibt es einen Burggraben? Skalierungspotential?

Mit diesen Fragen kannst du einschätzen, welche Chancen & Risiken auf dich zukommen. Dazu musst du nicht so tun, als seist du klüger als ein CEO.

Tipp: Genau diese Fragen, u.a. auch die SWOT-Analyse, wende ich auch im StrategyInvest Update an.

#3 – Du suchst nur gute Unternehmen

Ja, es gibt gute Unternehmen. Generell meinen wir damit Unternehmen, die finanziell solide aufgestellt sind, Gewinne machen und wachsen.

Dazu gehören Amazon, Facebook, Alphabet (Google), Microsoft, Apple usw. Um das herauszufinden brauchst du keine aufwendige Analyse.

Es reicht aber nicht nur gute Unternehmen zu finden. Entscheidend ist der Preis, den du dafür zahlst.

Beispiel: Apple. Das Unternehmen können wir, nach den obigen Kriterien, guten Gewissens als „gutes Unternehmen“ bezeichnen. Es ist ca. 1 Billion US-Dollar wert.

Würdest du das ganze Unternehmen kaufen, wenn es nur 1.000€ kosten würde? Auf jeden Fall.

Würdest du Anteile daran kaufen, wenn es mit 100.000€ bewertet werden würde? Ja, auf jeden Fall.

Nun ist Apple aber nicht so günstig, sondern mit 1 Billion USD, also 1.000 Mrd. USD, bewertet.

Apple könnte auch das 5-fache kosten und wäre immer noch ein gutes Unternehmen, aber vermutlich völlig überteuert. Du würdest einen zu hohen Preis zahlen.

Nur auf die Qualität zu schauen reicht nicht. Du musst Qualität zu einem vernünftigen Preis kaufen, weshalb genau das der Kern sein sollte, den du mit deiner Analyse herausfinden musst.

#4 – Du prüfst deine Meinungen nicht

Immer wieder höre ich Aussagen wie:

„Das KGV ist doch völlig nichtssagend!“
„Ich achte nur auf den ROI!“

Kennzahlen anzuschauen ist gut und wichtig. Viele werfen mit diesen aber um sich, ohne sich jemals die Fakten dahinter anzuschauen.

Bevor jemand sagt, dass er nichts ans KGV glaubt, könnte man wissenschaftliche Studien und Untersuchungen anschauen, die genau das untersucht haben. Das habe ich im Beitrag zu Anlagestrategien festgehalten.

Genauso werden Kennzahlen als alleinige Erfolgsfaktoren dargestellt, wie bspw. der Return On Invest (ROI). Dabei wird der Gewinn ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital gesetzt. Je höher, desto rentabler wirtschaftet ein Unternehmen.

Das Problem: Studien zeigen, dass Unternehmen mit einem hohen ROI langfristig niedrigere Renditen liefern als Unternehmen mit einem niedrigen ROI. Wie kann das sein?

Die Branchen, die hohe Gewinnmargen haben, ziehen Konkurrenz an. Das drückt wiederum die Margen und erschwert das Geschäft. Umgekehrt gibt es wenig Neugründungen in den Branchen, in denen der ROI ohnehin schon niedrig ist.

Das Ergebnis: Die Regression zur Mitte. Der ROI fällt tendenziell dort, wo eher hoch war, und steigt dort, wo er niedrig war.

Das willkürliche Bullshit-Bingo mit Aktienkennzahlen erkennst du überall, wo du Aktienanalysen liest. Wichtig ist dabei diese einordnen zu können, statt nur auf Meinungen zu vertrauen.

#5 – Du kaufst Aktien im Vakuum

[nur im Podcast…]

#6 – Du hörst auf Börsenanalysten, nicht auf Experten

Börsenanalysten haben nicht den besten Ruf. Dabei sind es oft kluge Menschen mit einer fundierten Meinung.

Es gibt aber tatsächlich ein Problem – nicht nur bei Börsenanalysten, sondern auch bei Fondsmanagern, Investmentberatern und Börsengurus.

Der Großteil dieser Menschen kennt die Unternehmen, über die er spricht, nur aus der Theorie. Diese Personen haben oft noch nie in solchen Unternehmen gearbeitet, über die sie sprechen.

Themen wie Mitarbeiterführung, Aufbau einer IT-Infrastruktur oder einer Logistik, digitaler Wandel, Business Intelligence, Performance Marketing und mehr kennen diese nicht. Dabei sind das die Kerndisziplinen, die Unternehmen heute erfolgreich machen.

Das Wissen über Börse und Aktien ist genauso wichtig, aber in Kombination mit Wissen aus der Praxis der strategischen Unternehmensführung wird es erst richtig spannend.

Bevor du also das nächste Mal die 7. Analyse zu Amazon von einem Analysten liest, schau dir mal die Sichtweise von Ecommerce-Experten und Unternehmern an. Die Chance ist groß, dass du dabei deutlich mehr lernst.

Die meisten Anleger fokussieren sich nur auf Börsenwissen und Börsenberater – ein weiterer Grund, warum ich es im StrategyInvest Update anders mache und gezielt strategisches Wissen dort einfließen lasse.

Du brauchst dieses Wissen nicht selbst. Du kannst dich auch dort weiterbilden – oder du lässt es, und investierst dort, wo du Wissen hast. Oder du bleibst noch breiter aufgestellt und investierst nur in ETFs.

#7 – Du verlässt deinen Kompetenzkreis

Damit einhergehend gibt es einen wichtigen Grundsatz: Kenne deine Kompetenzkreis.

Es ist kein Problem, Dinge nicht zu wissen. Es ist kein Problem, wenn du nicht klüger bist als der CEO (siehe Fehler #2).

Wichtig ist nur: Sei dir bewusst, was du kannst, und setze es um. Sei dir bewusst, was du nicht kannst, und lass die Finger davon.

Warren Buffett schrieb schon 1996:

„What an investor needs is the ability to correctly evaluate selected businesses. Note that word ‘selected’: You don’t have to be an expert on every company, or even many. You only have to be able to evaluate companies within your circle of competence.“

Du verstehst Aktien und die Börse nicht? Dann lege nicht an, bevor du sie verstanden hast – bis sie also in deinem Kompetenzkreis liegen.

Du kannst in ETFs investieren, aber keine Aktien bewerten? Dann bleib bei ETFs und, wenn du willst, lerne das Investieren in einzelne Aktien.

Du hast noch keine Ahnung, wie du Kennzahlen richtig nutzt und welche es gibt? Dann benutze keine, bis du sie verstanden hast. Bis dahin kannst du problemlos in ETFs investieren.

Du kennst dich in der Tech-Branche aus, aber nicht in der Pharma-Branche? Kein Problem. Investiere in Tech-Unternehmen und decke die Pharma-Branche durch ETFs ab.

Es ist kein Problem, wenn dein Kompetenzkreis nicht groß ist. Zum einen kannst du alles lernen, zum anderen kannst du mit ETFs schnell loslegen und auch ohne großes Fachwissen erfolgreich anlegen.

Viele Verluste entstehen genau dann, wenn Anleger ihren Kompetenzkreis verlassen. Sei dir also bewusst, wie weit dein Kompetenzkreis geht und richte dein Handeln danach aus.

Weniger Fehler, mehr Rendite: So hast du mehr Erfolg

Das sind die 7 Fehler, die viele Anleger Geld kosten. Halte die Augen offen, wenn du selbst analysierst oder Analysen liest – du wirst diese Fehler selbst bei erfahrenen Anlegern immer wieder beobachten können.

Wenn du mehr darüber wissen willst, wie du erfolgreich anlegst – auch speziell in einzelne Aktien – erfährst du hier alles, was du wissen musst.

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